Hunger und Elend wachsen in Afrika – als Folge der Krise

Im
Kongo haben rund 60% aller Kupfer- und Kobaltminen die Produktion
eingestellt. 300.000 Bergarbeiter verloren dabei ihren Job. Da in dem
armen Land an einem Job oft eine 10-20-köpfige Familie hängt und davon
ernährt wird, droht mehreren Millionen noch stärkeres Elend als bisher.

Diese
Schließungen erfolgen oftmals über Nacht. So verloren in Sambia alle
3.000 Beschäftigte der Kupfermine Luanshya von einem Tag auf den
anderen ihre sowieso nur mager bezahlte Arbeit. In Folge der
Weltwirtschaftskrise fiel der Preis für eine Tonne Kupfer von 9.000
US-Dollar auf 4.000. Damit bringen viele Minen für ihre Besitzer keinen
oder zu wenig Profit. Im Kapitalismus ist die Lösung da einfach: Weg
mit den Menschen. Die, die vorher armselig lebten und hungrig zur
Arbeit kamen, dürfen nun verhungern und verrecken. Sie sind für das
Kapital nur noch lästiger Menschenabfall.

Die
Stuttgarter Zeitung berichtet über die Familie von William Blanda, der
in der sambischen Mine Luanshya arbeitete. Nach der Entlassung musste
er seine vier Töchter bei Verwandten unterbringen, weil er sie nicht
mehr ernähren konnte.

Durch den Verfall der Rohstoffpreise in Folge der Krise,


werden nach Schätzungen der afrikanischen Entwicklungsbank 27 Millionen
Menschen in tiefste Armut absinken. Sie haben dann nur noch höchstens
zwei Dollar täglich zum Überleben.

– werden 700.000 Kinder mehr aufgrund mangelhafter Versorgung sterben.

– wird Afrika durch die gefallenen Rohstoffpreise 50 Milliarden Dollar weniger einnehmen.

– wird der durch die Krise abnehmende Tourismus Reiseländer wie Kenia, Südafrika usw. ökonomisch hart treffen.


werden die im Ausland lebenden Afrikaner an ihre Familien nur noch rund
30 Milliarden statt bisher 40 Milliarden Dollar überweisen können, weil
viele von ihnen selbst von der Krise getroffen wurden und arbeitslos
geworden sind.

Nun
haben die Herrschenden Angst vor den Folgen des mörderischen
kapitalistischen Systems. Der Premierminister Äthiopiens, Meles Zenawi,
meinte, dass viele Staaten in Afrika „versenkt“ werden könnten. Der
ehemalige UN-Generalsekretär, Kofi Annan, meinte: „Wir müssen mit
sozialen Spannungen, politischer Instabilität und Todesopfern rechnen.“

Ein
Appell an die reichen Länder, mehr Hilfe zur Verfügung zu stellen,
verhallte ungehört. Dafür bot der Internationale Währungsfonds (IWF)
den ärmsten Staaten Afrikas neue Schulden in Höhe von 17 Milliarden
US-Dollar an.

Das
ist dreist! Da versinkt Afrika in elend und Hunger, gerade weil die
gesamte Ökonomie vollkommen von den großen kapitalistischen Staaten
abhängig ist. Die Wirtschaft in den afrikanischen Staaten ist nicht
nach den Lebensbedürfnissen der dort lebenden Menschen gestaltet,
sondern nach den Interessen der großen Monopole. Einseitig auf
Rohstoffe und etwas Tourismus gestutzt, konnte sich die Wirtschaft nie
eigenständig entwickelt. Die lokale afrikanische Landwirtschaft wird
durch billige Agrar-Exporte der EU zerstört. Afrika ächzt unter
immensen Schulden. Alles in Afrika wird von Weltbank und IWF diktiert.
Die Regierungen sind meist Marionettendiktatoren, die aus den großen
kapitalistisch-imperialistischen Staaten mit Waffen versorgt und gegen
ihre Völker am Leben gehalten werden. Und nun bietet der IWF neue
Schulden an, um die tiefe Not auszunutzen und die Abhängigkeit der
ärmsten Staaten noch zu vertiefen.

Das
Beispiel Afrikas in der Krise zeigt die verbrecherische Qualität des
kapitalistischen Systems. Afrika wird seit Jahrzehnten seiner Rohstoffe
beraubt. Täglich müssen Menschen für den Profit sterben – und es werden
trotz aller Hilfsversprechungen immer mehr. Die USA, Frankreich,
England, Deutschland haben die übelsten Gangster und Diktatoren als
ihre „Partner“ in Afrika und halten diese gegen die Völker an der Macht.

Das
Beispiel Afrika zeigt auch deutlich die Mechanismen der
„Marktwirtschaft“. Das Kapital lässt, wo immer das möglich ist, für
eine Schüssel Reis arbeiten. Es hat da keine moralischen Hemmungen. Und
in der Krise werden die Hungerportionen noch gekürzt oder gleich ganz
gestrichen. Wer so etwas zulässt, weil „es mich nichts angeht“ und weil
„Afrika ja weit weg ist“, der darf sich nicht wundern, wenn
Arbeitsplätze verlagert werden und sein Lohn im Rahmen der
internationalen Konkurrenz abgesenkt wird. Mit unsolidarischem
Verhalten schadet man nicht nur den Menschen, die unsere Solidarität
verdient haben, sondern auch sich selbst. Und ebenso klar ist auch,
dass, wann immer in Industrieländern Löhne sinken wie beispielsweise in
Deutschland mit 1-Euro-Jobs, die Einkommen der Menschen, die über eine
Schüssel Reis froh sind, noch weiter gedrückt werden können. Wer diese
Zusammenhänge begreift, der weiß auch, dass den Menschen in Afrika
nicht mit ein paar Millionen oder Milliarden Hilfe gedient ist. Erstens
versackt sowieso die Hälfte in den Taschen korrupter Politiker – ob in
Afrika oder in den Geberstaaten. Zweitens wird Afrika damit immer
abhängiger statt selbständiger. Drittens nutzt das Kapital seine
Hilfsaktionen, um Afrika immer weiter auszuplündern.

Deshalb
ist wirksame Solidarität mit den Völkern Afrikas, wenn wir ihren Kampf
für ein besseres, eigenständiges Leben unterstützen. Wenn wir uns z.B.
in den Gewerkschaften für eine aktive Solidarität mit den kämpfenden
Kolleg/innen in diesen Ländern einsetzen. Und am wirksamsten helfen wir
den Menschen, wenn wir uns daran machen, das
kapitalistisch-imperialistische System in unserem eigenen Land zu
beseitigen.