Köln: Sie kamen glimpflich davon

Zum Prozeß um die Ermordung von Werner Schneider

Am 5. März 2010 um 16.20 Uhr verkündete die Richterin, Frau Grabe-Herkenrath, das Urteil über die beiden Mörder von Werner Schneider wegen gemeinschaftlichen und heimtückischen Mordes auf der Grundlage des Jugendstrafrechts wie folgt: Janis V. (JV), Lette, zum Tatzeitpunkt 20 Jahre alt, 7 Jahre Gefängnis. Andrejs B. (AB), Lette, zum Tatzeitpunkt 19 Jahre alt, 7 Jahre und 3 Monate Gefängnis.

Wer sind die beiden Täter, die vom Express beschwichtigend „Milchbubis" genannt werden. Die Lebensläufe, sprich Kindheit und Jugend sind gekennzeichnet bei JV durch ein desolates Familienleben mit Scheidung der Eltern und einem alkoholabhängigen Vater. Bei AB ist das Elternhaus gekennzeichnet durch die politischen Verhältnisse nach der Loslösung Lettlands aus dem Ostblock und den Spannungen, die sich danach für sehr viele russische Menschen, die in Lettland verblieben sind, aber z. B. in der russischen Armee tätig waren und teilweise den Bedürfnissen der russischen Armee entsprechend versetzt wurden. Die Verteidigung versuchte diese Verhältnisse immer wieder als Tränendrüsendruckmittel einzusetzen. Festzuhalten bleibt, dass beide Täter einen Schulabschluss vorweisen können, der unserem hiesigen Abitur entspricht und zur Aufnahme eines Studiums berechtigt, also „Milchbubis" mit Abitur.

Die Verteidiger waren nicht zu beneiden. Für sie wurde die Luft immer dünner. Je mehr Zeugen auftraten, um so klarer wurde, dass die Beweislast immer erdrückender wurde. Der Prozess war unter der Leitung von Herrn Staatsanwalt Blaut exzellent vorbereitet worden. Die Ermittlungsbehörden hatten wirklich gute Arbeit geleistet. Der Zustand der Wohnung von Werner Schneider nach der Öffnung am 16./17. Mai 2009 durch die Kriminalpolizei wurde auf über 210 großen Fotos in allen Einzelheiten festgehalten.

Elmar Klevers

 

 

Wer war Werner Schneider?

Ich habe den Genossen Werner 2009 auf der Kölner Montagsdemo kennengelernt. Leider hatten wir nur zweimal die Gelegenheit zu einem kurzem Gespräch, als ich ihm die jeweils aktuelle Ausgabe von ARBEIT ZUKUNFT schenkte. Ich habe ihn als entschlossenen Genossen und kompetenten Mitstreiter gegen die Harz-IV-Gesetzgebung kennengelernt – Werner wurde Opfer und dennoch war sein Leben Teil unseres Kampfes für eine bessere Gesellschaft, in der jeder Mensch in Würde und gleichberechtigt leben kann.

Werner fiel einem brutalen und vollkommen sinnlosen Raubmord zum Opfer, denn bei Werner gab es nichts zu holen. Sein ganzes Leben lang hatte er entweder mit Geringsteinkommen oder zuletzt mit einer kleinen Rente auskommen müssen. Werner lebte allein. Er war ein sozialer Mensch und hatte seinen Mörder vorübergehend in seine Wohnung aufgenommen. Nur weil der Täter mit seiner Tat in einer Kneipe prahlte, fiel die Tat überhaupt auf und Werners Leiche wurde gefunden.

Werner wurde 61 Jahre alt – nicht nur die Kölner Montagsdemobewegung vermisst ihn.

kb

 

 

 

 

 

 

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