RAUS AUS DEM IRAK –

dies ist nicht nur die berechtigte Forderung nach Abzug aller fremden
Truppen aus dem Irak, sondern mittlerweile Programm von immer mehr
Nationen. Den Anfang macht nun Spanien. 80% der Spanier waren gegen
eine Beteiligung ihres Landes am Golfkrieg II, was zudem in machtvollen
Demonstrationen zum Ausdruck kam. Aznar stellte sich jedoch
demonstrativ an die Seite von Bush und Blair. Jetzt wurde er abgewählt.
Der neue Ministerpräsident Zapatero hat nur wenige Stunden nach seiner
Vereidigung den Rückzug der 1300 spanischen Soldaten angeordnet. Elf
Soldaten kamen seit August ums Leben. Nach Ankündigung des spanischen
Verteidigungsministers Bono sollen die Soldaten schon in weniger als
sechs Wochen wieder in ihrer Heimat sein. Zunächst sollten die
lateinamerikanischen Einheiten die Lücke füllen. Mit ihren 1200 Mann
sind sie in der spanisch geführten Brigade „Ultra Plus“ eingegliedert.
Doch nun erklären auch El Salvador, Honduras und die Dominikanische
Republik ihr beabsichtigtes Aussscheiden aus der „Koalition der
Willigen“. Auch Norwegen will das Mandat für seine 150 Soldaten nicht
über den Juni hinaus verlängern. Ersatz scheint schwierig, denn selbst
Polen und Groß-Britannien wollen nicht mehr Truppen in den Irak
schicken und so werden wohl die USA, die jetzt schon ca. 90% der
Soldaten stellen, mehr Soldaten im Irak einsetzen müssen. Geplant war
eigentlich eine Reduzierung der Truppenstärke, doch satt dessen wurde
gerade die Verlängerung der Stationierung von 20.000 US-Soldaten
beschlossen, was nebenbei allein 700 Mil. Dollar kosten wird. Der Grund
liegt auf der Hand: Der Widerstand des irakischen Volkes hat sich
zum  Volksaufstand entwickelt.

FALLUDSCHA
Als die US-Truppen im Irak einmarschierten und vorgaben, Demokratie und
Wohlstand zu bringen, war der Widerstand in Falludscha gering, wie in
den meisten Städten Iraks. Der von Saddam Hussein angedrohte
Häuserkampf und Guerillakrieg blieb weitestgehend aus. Zu verhasst war
das Saddam- Regime in der Bevölkerung, als daß es einen Befreiungskrieg
führen konnte. Ein Jahr hat das irakische Volk nun die grausame
Realität der Besatzung ihres Landes erfahren. Die US-Soldaten geben
keine Sicherheit, sondern terorrisieren die Bevölkerung. Wirtschaftlich
liegt der Irak am Boden, die Arbeitslosigkeit liegt bei 70%.
Kurz vor Ostern wurden in Falludscha vier US-Söldner getötet und
geschändet. Daraufhin forderten die USA die Auslieferung der Täter. Da
dies nicht geschah, starteten die US-Bomber. Als erstes wurde das
örtliche Kraftwerk zerstört, das natürlich auch die wenigen
Krankenhäuser mit Strom versorgt. Schäzungsweise 600 Menschen wurden
getötet, darunter 200 Frauen und über 100 Kinder. Fahrer von
Krankenwagen wurden im Einsatz von US-Scharfschützen erschossen.
Nicht nur in Falludscha zeigten vor allem die US-Truppen eine
menschenverachtende Brutalität, was nicht nur den Widerstand erstarken
ließ, sondern was auch den Widerstand einte. Nicht nur Schiiten und
Sunniten kämpfen immer mehr gemeinsam, sondern bis zu 50 Organisationen
beteiligen sich am Widerstand. Darunter auch Gewerkschaften und
fortschrittliche Organisationen. Der Widerstand des irakischen Volkes
ist breit und umfasst  neben dem bewaffnetem Kampf auch
Demonstrationen und Streiks. Am Generalstreik am 9.4. beteiligten sich
80 Prozent.

VIETNAM
Obwohl verboten, wurden jetzt in den USA zum ersten Mal Bilder von
Särgen gefallener US-Soldaten veröffentlicht. Über 700 tote US-Soldaten
sollen es bisher sein. Die toten Söldner tauchen in keiner Statistik
auf, immerhin werden bis zu 20.000 Mann im Irak vermutet. Nun hat auch
Edward Kennedy das ausgesprochen, was die meisten wohl ahnen: „Der Irak
ist Bushs Vietnam“. In den zwölf Jahren des Vietnamkrieges fielen
58.000 US-Soldaten. Allein 800.000 Zivilisten wurden getötet. Obwohl
militärisch überlegen konnten die USA nicht gegen die Guerillataktik
der Vietnamesen gewinnen. Der weltweite Protest, und gerade auch der in
den USA, zwang die USA zum Rückzug. Noch vor vier Monaten waren zwei
Drittel der US-Bevölkerung für den Irakkrieg. Nach einer Umfrage von AP
bezeichneten jetzt 49% der Befragten den Krieg als Fehler.
Der Widerstand des irakischen Volkes gegen die imperialistischen
Besatzungsmächte verdient die internationale Solidarität aller
fortschrittlichen Kräfte. Schon jetzt zersetzt sich die Front der
Koalitionskräfte. Wir fordern den sofortigen Abzug aller
Besatzungstruppen aus dem Irak! (J.T.)