Radiotipps für September

Mittwoch, 1. September 2010

DLF
Fr. 03.09.2010 · 19:15 Uhr
"Wir lehren Arbeitgebern lenken!"
Erfolgreich mobben mit Anwaltshilfe

Von Albrecht Kieser
"Das deutsche Kündigungsschutzrecht muss gelockert werden!" - So fordern Arbeitgeberverbände seit Jahren. Doch noch halten die gesetzlichen Barrieren. Am 10. Juni 2010 hat das Bundesarbeitsgericht sogar die sogenannten Bagatellkündigungen erschwert, bislang ein einfaches Mittel, um unliebsame Mitarbeiter ohne Stress loszuwerden.
Da kommen die Dienste von Rechtsanwälten gerade Recht, die Arbeitgebern mit systematischem Mobbing helfen, schwer kündbare Angestellte aus dem Unternehmen zu drängen. Ganz unverfroren betreiben solche Juristen die "Kündigung Unkündbarer" und die Kündigung "ohne Kündigungsgründe", wie ihre Kanzleien im Internet werben; in ihrem Visier sind häufig Betriebsräte, die sich unzulässigen Kündigungen ihrer Kollegen in den Weg stellen.
Obwohl solche Arbeitgeber und ihre Anwälte das Recht verletzen, werden sie bislang nicht zur Rechenschaft gezogen. Weder Staatsanwaltschaften noch Gerichte haben ihrem fragwürdigen Treiben bislang Einhalt geboten.

DLR-K

Di. 07.09.10  -  13:07 Uhr
Länderreport
Vom Giftmüllhügel zum Energieberg
Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Georgswerder

Von Verena Herb
Georgswerder im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Der künstliche Hügel, etwa 40 Meter hoch, bietet eine schöne Aussicht. Seine Geschichte allerdings ist weniger schön.
Nach dem Krieg wurden Trümmer und Hausmüll aufgetürmt - später kamen giftige Industrieabfälle und Lacke hinzu.
In den 80er-Jahren, die Mülldeponie Georgswerder war bereits geschlossen, trat Dioxin am Fuß des Hügels aus, Chemikalien sickerten ins Grundwasser. Nun soll aus der Deponie von damals der Energieberg von morgen werden - Windkraft, Sonnenenergie und Deponiegase sollen Hamburg sauberen Strom liefern.
Schöne Aussichten? Ein "Länderreport" über Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Georgswerder.


DLR-K
Do. 09.09.10  -  19:30 Uhr
Forschung und Gesellschaft
Was heißt hier krank?
Auf der Suche nach einem neuen Gesundheitssystem

Von Mathias Greffrath
Das deutsche Gesundheitssystem ist unbezahlbar: Man hört das täglich, und es stimmt.
Die Schere zwischen medizinischem Fortschritt und dessen Finanzierung öffnet sich immer weiter.
Doch keine Reform löst das Problem, solange das Systemdefizit nur in Euro beziffert wird.
Was fehlt, ist ein neues Denken. Ein Denken, das nicht erst da ansetzt, wo jemand krank ist, also zu spät, sondern das die Gesundheit selbst in den Mittelpunkt stellt.
Dazu regen zwei neue Perspektiven aus Philosophie und Literatur an.
Der Philosoph Klaus Michael Meyer-Abich legt eine systematische Philosophie der Medizin vor ("Was es bedeutet, gesund zu sein").
Darin fordert er eine "Politische Medizin" sowie eine Veränderung der Arbeits- und Lebensverhältnisse.
Und der Schriftsteller Tim Parks erzählt in seinem neuen Buch "Die Kunst stillzusitzen" von der eigenen chronischen Krankheit und seiner Odyssee durch die Institutionen der Schulmedizin.
Ohne Esoterik, aber auch ohne Kadavergehorsam vor den Ärzten findet er Gesundung - durch eine neue Einstellung zur Krankheit und zur eigenen Lebensweise.


DLR-K
Sa. 11.09.2010 · 18:05 Uhr
Verkauft!
Wie Ayub, Akhdar, Ahmed und Abu Bakr im Gefangenenlager Guantánamo Bay landeten

Von Christian Lerch
2001 erreichen vier uigurische Männer ein Bergdorf nahe der afghanischen Stadt Jalalabad. Sie waren aus der westchinesischen Provinz Xinjiang vor politisch-religiösen Repressionen geflohen. Vom sogenannten "Krieg gegen den Terror" wissen die Männer nichts - bis zu dem Tag, an dem Bomben auf das Bergdorf fallen.
Sie fliehen und werden von Einheimischen als "enemy combatants" für 5000 Dollar pro Kopf an die US-Armee verkauft. Zunächst landen sie in einem Lager in Kandahar, danach für vier Jahre im Lager von Guantánamo Bay. Seit 2006 leben sie als Asylbewerber in Tirana, Albanien.

DLR-K
Mo. 13.09.10  -  19:30 Uhr
Das politische Feature
Schulden ohne Ende - Geht Deutschland pleite?
Von Dani Parthum
Ohne geht es schon längst nicht mehr: ohne fremdes Geld, ohne Kredite.
Und jedes Jahr nimmt die Kredithöhe zu. In Deutschland ist bereits jede dritte Kommune finanziell überfordert. Wuppertal beispielsweise wird nächstes Jahr pleite sein.
Auch der Bund gibt seit Jahrzehnten mehr aus, als er einnimmt. Zweitausend Milliarden Euro, also zwei Billionen Euro Schulden hat Deutschland bis heute aufgehäuft; das ist fast soviel, wie die Bürger in einem Jahr erwirtschaften.
Die jüngst beschlossene Schuldenbremse soll die Politiker endlich disziplinieren.
Ist das aber realistisch? Und wie kann es Deutschland schaffen, die Last von Schuld und Schuldzins abzuschütteln? Vermutlich gar nicht. Im Gegenteil: Der 750-Milliarden-Rettungsschirm für die Länder der Eurozone könnte die größte europäische Volkswirtschaft in arge Bedrängnis bringen, sollte Griechenland über kurz oder lang doch den Offenbarungseid leisten müssen.


DLF
Di. 14.09.2010 · 19:15 Uhr
Françafrique - eine Schule der Diktatoren
Frankreichs Afrikapolitik in der Kritik

Von Ruth Jung
"Afrika ohne Frankreich ist wie ein Auto ohne Fahrer. Frankreich ohne Afrika ist wie ein Auto ohne Benzin."
Ein Ausspruch von Omar Bongo. Über 41 Jahre beherrschte der "dienstälteste" afrikanische Diktator das erdölreiche Gabun. Ein Veteran der sogenannten Françafrique.
Das von de Gaulle etablierte Geflecht politischer, strategischer und ökonomischer Beziehungen sichert Frankreichs Interessen in Afrika nach dem Ende des Kolonialismus.
Nachdem Omar Bongo im Juni 2009 starb, wurde offenkundig, wie tief Frankreich in Afrika in Korruption und Wahlbetrug verstrickt ist. Jacques Chirac wird vorgeworfen, er habe sich seinen Präsidentschaftswahlkampf 1981 von Omar Bongo finanzieren lassen. Eigentlich wollte Nicolas Sarkozy Schluss machen mit den Machenschaften der Françafrique.
Er rief 2010 zum "afrikanischen Jahr" aus und fordert eine tief greifende Reform. Aber wie soll die aussehen, wenn die Geschäfte bestens laufen?


DLR-K

Do. 16.09.10  -  13:07 Uhr
Länderreport
Auch ohne Parteibuch
Immer mehr Bürgermeister und Wählergemeinschaften übernehmen kommunale Verantwortung

Von Susanne Schrammar, Blanka Weber, Michael Watzke
Wenn von Gestalten und Gestaltungswillen die Rede ist, fühlen sich vor allem die Parteien angesprochen.
Ein Handlungsauftrag mit Parteibuch sozusagen.
Doch eine Tendenz verstärkt sich seit einiger Zeit: bei Kommunalwahlen achtet der Wähler darauf, dass der Besitz dieser Identität nicht mehr ausschlaggebend für das Ergebnis ist.
Immer mehr Wählergemeinschaften, Vereine und parteilose Bürgermeister ziehen in die Ämter ein, machen ihre Arbeit gut und werden wiedergewählt.
In einigen bekannten Fällen verbieten sie sich sogar die Einmischung durch eine Partei in ihre Amtsausführung.


DLF
Fr. 17.09.10  - 20:10 Uhr
Das Feature
Knochen in der Wüste - Literatur und Gewalt in Mexiko
von Peter B. Schumann
Deutschlandfunk 2010
Das Thema Gewalt zieht sich als eine Konstante durch die gesamte mexikanische Kultur.
Doch im letzten Jahrzehnt hat sich das organisierte Verbrechen in Gestalt der Drogenmafia wie eine Krake immer weiter ausgebreitet, die Gesellschaft unterwandert, selbst den Staat ausgehöhlt und zu immer grausameren Formen der Brutalität gegriffen.
Die Regierung hat darauf ihrerseits mit massiver Gewalt geantwortet und das Problem damit eher verschärft als eingedämmt.
Journalisten und Schriftsteller versuchen den täglichen Schrecken in Berichten und Analysen, Erzählungen und Romanen zu dokumentieren und literarisch zu bewältigen.
Die Mafia reagiert darauf inzwischen mit Todesdrohungen, in einigen Fällen mit Entführungen und sogar Morden. Peter B. Schumann gibt in seinem Feature einen Überblick über die mexikanische 'Narco-Literatur'.


DLR-K

Mo. 20.09.10  -  19:30 Uhr
Zeitfragen
Neue Netze braucht das Land! - Wie der Strom künftig in die Steckdose kommt
Von Jan-Uwe Stahr
Noch vor gut 15 Jahren war alles ganz einfach:
Den Strom produzierten vor allem große Kohle-, Atom- oder Gaskraftwerke.
Von dort kam er über sogenannte Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetze bis in die Steckdosen der Verbraucher. Je nach Bedarf konnte man die Stromproduktion rauf- oder runterregulieren.
Mit dem zunehmenden Anteil erneuerbarer Energie ist es komplizierter geworden, denn Wind und Sonne liefern nicht beständig. Dringend gebraucht werden also neue, andere Stromnetze.
Sie müssen intelligent sein, damit sie regionale und überregionale Schwankungen beim Stromangebot und Verbrauch besser ausgleichen können.
Neue Stromnetze werden auch benötigt, um regenerative Großkraftwerke - wie Offshore-Windparks, Solarfarmen und Wasserkraftwerke international zu vernetzen.
Ein gigantischer Wachstumsmarkt, wenn die Politik die richtigen Weichen stellt.
 

DLF
Di. 
21.09.2010 · 19:15 Uhr
Vor dem Spiel – nach dem Spiel
Die Wahlkampfversprechen und was daraus wurde
Von Walter van Rossum
Sparpaket, Griechenlandhilfe, Rücktritt des Bundespräsidenten. Seit der Bundestagswahl im September 2009 ist viel passiert. Was aber ist aus den Wahlversprechen der Regierungs- und der Oppositionsparteien geworden?
Sie entsinnen sich vielleicht: Die Wirtschaft wird wieder angekurbelt, Konjunkturlokomotiven unter Dampf gesetzt, Steuern runter, Steuersystem vereinfacht, endlich kommt die definitive Reform des Gesundheitswesens, der Finanzsektor wird reguliert, und natürlich werden viele Arbeitsplätze geschaffen.
Außerdem soll eine neue Strategie für den Afghanistankrieg ersonnen werden und gegen den Klimawandel schmiedet man mächtige Bremsklötze. Dieses und noch so einiges andere versprachen die beiden heutigen Regierungsparteien. Und natürlich hatten auch die designierten Oppositionsparteien zu all diesen Themenfeldern ihre Vorschläge und mit ihren Alternativentwürfen versprachen sie entschlossene und "harte" Opposition. Ein Jahr nach den Wahlen wollen wir mal sehen, was denn aus den Wahlversprechen geworden ist.


DLR-K

Do. 23.09.10  -  19:30 Uhr
Forschung und Gesellschaft
Attentate - Zur Mediengeschichte öffentlicher Morde
Der Bochumer Literaturwissenschaftler Manfred Schneider im Gespräch mit Wolfgang Hagen und René Aguigah
Der 11. September 2001 war eine Zäsur.
Doch auch Attentate haben eine Geschichte.
Und die lehrt, dass die Gesellschaft stets Gefahr läuft, selbst so paranoid zu werden wie die Täter.


DLF
Fr. 24.09.10  -  20:10 Uhr
Der Krise trotzen - Drei argentinische Frauen erzählen
Von Gaby Weber
Das bestimmt die Schlagzeilen, wenn es um Argentinien geht: Währungscrash, Zahlungsunfähigkeit, Aufruhr und Chaos.
Aber wie leben die Menschen in der Dauerkrise, wie gestalten sie ihren Alltag?
Was ist planbar, was muss improvisiert werden?
Um in Buenos Aires eine Wohnung zu mieten, braucht man einen Bürgen, der mit seinem Grundeigentum für die Mietzahlungen bürgt, Hypothekenkredite sind rar, die Löhne zu niedrig.
Gaby Weber hat drei Frauen besucht: eine junge Historikerin in Buenos Aires, die umsonst lehrt, weil die staatliche Universität kein Geld hat.
Die Gründerin eines Ökomarktes am Stadtrand, wo die Bauern ihre Produkte zwei Mal wöchentlich feilbieten, und eine Architektin in der Pampa, die, um zu überleben, ihren Lebensunterhalt mit dem Eisverkauf bestreitet.
"Das Schöne am Eis ist," sagt sie, "dass es klassenlos ist. Auch Arme können sich für zwei Pesos eine süße Kugel leisten."

DLR-K
Mo. 27.09.10  -  19:30 Uhr
Countdown Wiedervereinigung - Der Weg zur deutschen Einheit
Von Wolf-Sören Treusch
18. März 1990: Die Allianz für Deutschland mit der CDU an der Spitze geht aus den Wahlen zur DDR-Volkskammer überraschend deutlich als Sieger hervor.
1. Juli 1990: Die Wirtschafts- und Währungsunion tritt in Kraft.
Bundeskanzler Helmut Kohl verspricht den Bürgerinnen und Bürgern in Ostdeutschland blühende Landschaften.
12. September 1990: Die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs und die beiden deutschen Staaten unterzeichnen den Zwei-plus-vier-Vertrag.
Er stellt die endgültige innere und äußere Souveränität des vereinten Deutschlands her.
Das sind drei zentrale Daten aus den letzten Monaten vor der Wiedervereinigung.
Doch in dieser kurzen Zeitspanne, in diesem "deutschen Jahr" 1990, hat sich ein beispielloser Prozess vollzogen, der noch viel mehr beinhaltete.
Der Weg zur deutschen Einheit war alles andere als ein Selbstläufer, sondern das Resultat von
gewagten Entscheidungen, schwierigen Auseinandersetzungen und glücklichen Zufällen.

 

 

 

 

 

 

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Arbeit-Zukunft
Herausgegeben von der Organisation für den Aufbau einer kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands
http://www.arbeit-zukunft.de
Radiotipps für September
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