Sicher Wohnen für Arbeiter? Kostenfrage!

Montag, 26. Juni 2017

Am 14. Juni 2017 um 1 Uhr nachts kam die Katastrophe! Der mit Sozialwohnungen randvolle, 24-stöckige Grenfell Tower in London Kensington, kurz zuvor angeblich aufwändig renoviert, stand in hellen Flammen. Hunderte Bewohner/innen wurden im Schlaf überrascht. Sprinkler, die die Etagen mit Wasser fluten? Gab´s nicht!

Natürlich aus „Kostengründen“ war die Hochhaus-Fassade mit bekanntermaßen „brandgefährlichem“, aber billigem Material gebaut worden, über das sich ein Kühlschrankbrand in einer unteren Etagen rasend ausbreitete, was viele Zeugenaussagen bestätigen. Viele der dort wohnenden Menschen aus der Arbeiterklasse und armen Schichten hatten ohne jede Beachtung, ohne irgendein Ergebnis bei den Eigentümern und den zuständigen Behörden vor der absehbaren Gefahr gewarnt. Es gibt genug Arbeitende, die aus ihrem Job Bescheid wissen: Das Fassadenmaterial brennt, einmal entflammt, wie Zunder.

Der Frankfurter Branddirektor Reinhard Ries auf www.sueddeutsche.de/panorama/brand-in-london-gegen-so-einen-brand-ist-die-beste-feuerwehr-der-weltmachtlos-1.3545849 (Dort auch die übrigen Zitate): „Wir wissen …, dass auf der Außenwand … eine brennbare Wärmedämmung angebracht war. Darauf waren Metallpaneele befestigt, mit Dübeln und Schrauben, so dass dazwischen ein Abstand blieb, in dem Luft zirkulieren konnte. Sowas funktioniert, sobald es sich entzündet, wie ein Kaminofen.“

Es ist mit mehr als 80 Todesopfern zu rechnen, die zum größten Teil grausam erstickt oder verbrannt sind.

Klassenkampf!

Die Katastrophe führte zu heftigen Kämpfen und Widerstandshandlungen der Betroffenen! Die selbst in dieser Situation arrogante Theresa May wurde beschimpft, ihr Wagen beim fluchtartigen Wegfahren verfolgt, das Rathaus des Stadtteils wurde, gerade wegen der Nichtbeachtung der Beschwerden, von empörten Menschen gestürmt.

Neue Proteste gab es Samstag, 24 Juni 2017. Jetzt wurden 5 weitere Hochhäuser von den Behörden gesperrt. Die gleiche Schweinerei an den Fassaden! Plötzlich entdeckte man die Hämmer!! Aber auch die hunderte Bewohner wurden „klassenmäßig“ behandelt: Sofort raus, Notunterkünfte, später dürfen mit Feuerwehr- oder Polizeibegleitung die allernotwendigsten Habseligkeiten aus der Wohnung geholt werden. Angeblich gibt es auch Hotelunterbringung. Klar, da kriegt der Hotelier garantierte Staatsknete cash auf die Kralle. Wie es für die Betroffenen weitergeht? Einstweilen unbekannt. Werden Eigentümer von teuren Eigentumswohnungen auch so behandelt?

Kann das auch in Deutschland passieren?

Es kann! Laut Brand- und Feuerwehrspezialisten ist bei Hochhäusern zwar verboten, brennbares Fassaden- und Dämmmaterial zu verbauen, aber Hochhaus heißt: Ab 22 m Höhe. Nochmal Ries. Unter 22 m „ wird auch in Deutschland fleißig brennbares Fassadenmaterial verbaut. Eine starke Wärmedämmung wird politisch sehr unterstützt. Deswegen haben das jetzt alle. Es gibt natürlich auch Dämmmaterial, das nicht brennt, aber das ist eben teurer und das will sich kaum einer leisten.“ Das brennt dann auch. Auch deutet Ries in dem lesenswerten Interview an, dass das geltende Brandschutzrecht auch für Hochhäuser keineswegs unangefochten ist, denn „… wir Feuerwehrchefs kämpfen sehr dafür, dass sie weiter bestehen bleibt“ Warum müssen sie das tun? Wer will das weg haben? Natürlich das Bau-Kapital! Die „Deregulierer“, die in Bauregeln böse „Kostentreiber“ sehen, die doch ihr „Menschenrecht“ auf Profit „brutal“ einschränken Nix da! Da muss halt der Mensch hintanstehen!!

Wohnen - das zeigte schon Engels - ist eine Klassenfrage!

 

Leserbrief

Hallo,
zu dem Artikel etwas. Man sollte auch Ross und Reiter nennen. Nämlich mit was für Kram die Fassade isoliert wurde: Styropor! Ich habe selber als Isolierer gearbeitet und noch dieses Teufelszeugs Glaswolle isoliert. Doch das kommt gleich nach Asbest und so gebraucht man das "saubere" Styropor auch für Buden von Reichen. Nur hat beides den Nachteil, es absorbiert keine Feuchte und so muss eine Dampfsperre eingerichtet werden, sonst schimmelt die Bude. Außerdem um dieses Feuchten zu vermeiden, wird vor der Isolierung eine Luftkammer errichtet. Bei einem Brand wirkt die Luftkammer wie ein Kamin. All das kann vermieden werden, wenn man pflanzliche oder tierische Isolierung (Wolle) oder gar Lehm gebraucht. Das hat einen weit höheren Isoliereffekt, weil das Zeugs atmet. Keine Dampfsperre. Und eine Brandschutzbehandlung macht Wolle und Zellstoff (Homatherm) schwer entflammbar. Aber da Architekten und Bauherren wenig von Physik verstehen und sich mit Styropor die Nase vergolden, wird das Zeugs munter weiter verbaut. Bei Bränden wirkt es wie Brandbeschleuniger und die Gase sind hochgiftig. Daran verreckt so manches Brandopfer.
Übrigens die Mongolen isolieren ihre Jurten mit Wolle. Nur haben die Motten bei Wolle ein Betätigungsfeld, doch bei den starken Frösten ist das dort kein Problem aber in unseren Breitengraden. Wenn man hier die Wolle in Vlies einpackt, dann haben die Motten keine Chance und der Pullover um die Hütte hält ewig. Bislang wurde Wolle weggeworfen. Solange die Buden den Weltraum heizten, weil Energie nichts kostete, war Isolierung keine Frage. Doch nun, wo das Heizen schon eine Miete ist, fangen die Wohnungseigentümer an zu rechnen. Miete erhöhen beim Proleten ist nicht. Der hat nichts. 90 und mehr % der Buden sind Energiedinosaurier und gehören abgerissen oder gesprengt. Inzwischen gibt es Aktivhäuser wie das Schwörer-Haus, wo am Jahresende 100 % Energieüberschuss ist. Das ist dann ein hübscher Urlaub. Doch die Bundesregierung fördert über KfW das Isolieren mit Styropor. Man nennt das auch die Energiewende rückwärts. Und so freut sich Putin mit seinem Gas oder der Qatar-Scheich.
L

Arbeit-Zukunft
Herausgegeben von der Organisation für den Aufbau einer kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands
http://www.arbeit-zukunft.de
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