Der Diesel-Abgasskandal – Made in Germany?

Sonntag, 13. August 2017

Es ist tatsächlich der Wurm drin bei „Made in Germany". Aber nicht nur der Abgasskandal, der sich immer weiter ausweitet, von Manipulationen an den Dieselmotoren bis zu illegalen Kartellabsprachen der Autobauer, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Art, wie im Kapitalismus produziert wird. Er zeigt die ganze Abgründigkeit der so genannten „Freien Marktwirtschaft". Tricksen und Betrügen, was das Zeug hält, damit die Kennzahlen des Konzerns stimmen, damit die Aktionäre bei der Stange bleiben und man die Konkurrenz schlagen kann. Aber in diesem Fall hat die Konkurrenz zurückgeschlagen und die illegalen Praktiken der deutschen Autofirmen aufgedeckt.
Jetzt ist „die Politik" am Jammern und sucht nach einem Ausweg, der den Konzernen am wenigsten weh tut. Fahrverbote in den Großstädten wären nach Meinung der Experten die sicherste Methode, um die Schadstoffbelastung zu reduzieren. Aber das geht selbst laut dem „grünen" Ministerpräsidenten Kretschmann schon gar nicht. Das würde der Industrie schaden. Von den Menschen, die dem Smog ausgesetzt sind, spricht man nicht.
In aller Munde ist jetzt die Elektromobilität. Aber so umweltfreundlich ist das nun auch wieder nicht. Der Strom für die Elektroautos kommt ja bekanntlich aus der Steckdose. Aber wie kommt er da hinein? Er wird von Kraftwerken geliefert. Und da kommt es wieder darauf an, ob es Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke sind, die ihn liefern oder ob er durch Windkraft oder Solarzellen geliefert wird. In Deutschland sind es zur Zeit noch die CO2-Dreckschleudern Kohlekraftwerke, die den meisten Strom erzeugen. Und das ist wieder eine Quelle der Umweltzerstörung. Besonders umweltbelastend ist die Herstellung der Batterien. Allein bei der Produktion der Batterien des Nissan Leaf werden laut Berechnung des schwedischen Fachmagazin „Ingeniören" 5,3 Tonnen CO2 frei, beim Tesla sind es sogar 17,5 Tonnen. Deshalb könnte ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor rund acht Jahre lang fahren, bis es die gleiche Umweltbelastung wie ein Tesla erreicht hätte.
Also ist auch der Umstieg auf das Elektroauto nicht die beste Lösung – abgesehen davon, dass bei flächendeckender Einführung dieser Technologie (unter kapitalistischen Vorzeichen) zigtausende Arbeitsplätze auf der Kippe stehen, eine ganz neue Infrastruktur der Stromversorgung aufgebaut werden muss.
Eine entscheidende Lösung des Problems liegt in der Umgestaltung des gesamten Verkehrswesens: weg vom Individualverkehr hin zum öffentlichen Personenverkehr, weg vom Güterverkehr auf der Straße hin zum Schienen-Güterverkehr. Die CO2 – Abgase sind ja nicht die einzige Umweltbelastung, die der massenweise Autoverkehr hervorruft. Daneben gibt es noch die Lärmbelastung in Städten und an Autobahnen – die im übrigen mit Millionen von Euros verschlingenden Lärmschutz-Maßnahmen abgemildert werden muss – die Verwandlung von Naturgebieten und landwirtschaftlich genutzten Flächen in zugeteerte Straßen-Oberflächen. Zu den Negativfaktoren für die Lebensqualität zählen sicher auch die Verkehrsstaus, die zusätzlich zu erhöhter Schadstoffbelastung durch im Stillstand laufende Motoren führen. Und nicht zuletzt: die zigtausende jährlichen Verkehrstoten.
Es ist nicht nur der Diesel-Abgasskandal, der die Abgründe der kapitalistischen Produktionsweise aufzeigt. Und es ist nicht nur in „Made in Germany" die Made – äh, der Wurm drin, sondern in „Made by capitalism". Aber hier wird überdeutlich, dass die Maxime im Kapitalismus heißt: Profit, Profit und noch mal Profit. Am herrschenden Verkehrs"konzept" verdienen nicht nur die Automobilkonzerne, sondern auch die Ölkonzerne – und wenn vermehrt das Elektroauto kommt, die Stromkonzerne - , die Straßenbaufirmen, Logistikunternehmen, Betreiber von Tankstellen und Autobahnraststätten, nicht zuletzt die Kfz-Versicherer usw. Es ist also eine Unsumme an Kapital, das in die Taschen der Unternehmen fließt, das anderweitig weit sinnvoller eingesetzt werden könnte.
Zum Beispiel in den Ausbau des Schienen-Nahverkehrs, in die Vergünstigung des Öffentlichen Personennahverkehrs bis hin zum Nulltarif, in Carsharing und Forschung für Motoren mit niederem Verbrauch usw. Im Kapitalismus ist das schier unmöglich, weil dem 1001 private Interessen entgegenstehen. In einer sozialistischen Planwirtschaft ist das leicht machbar.
Dazu kommt noch, dass es auch für die menschliche Psyche nützlich wäre, vom Individualverkehr, von dem Gedränge und Geschubse im stressigen Straßenverkehr weg zu kommen. Der tägliche Stau im Berufsverkehr, die langen Schlangen vor den Baustellen, die Raser und Drängler, die ja meist auch nur schneller ans Ziel kommen wollen, gehen auf die Nerven, machen die Fahrer aggressiv und egoistisch. Weg vom Ego-Trip hin zu mehr Gemeinschaftlichkeit wäre gut für die Menschen.
Noch einmal zu den bedrohten Arbeitsplätzen: Weil der elektrische Antrieb für Autos wesentlich einfacher ist und weniger Bauteile enthält als ein Verbrennungsmotor, egal ob Diesel- oder Otto-Motor, spekulieren jetzt die Automobilkonzerne darauf, massenweise Arbeiter und Angestellte entlassen zu können. Die Beschäftigten sollen also die Quittung dafür bekommen, dass die Manager und leitenden Angestellten getrickst, gelogen und betrogen haben. Schon ist das bei Mercedes Benz in Untertürkheim Gegenstand einer Auseinandersetzung auf der Betriebsversammlung gewesen. Dazu steht in unserem Artikel vom 25. Juni: „Die Mercedes-Bosse nutzen die konzernweite Umstellung auf Elektroautos zur Erpressung der Kolleginnen und Kollegen, um sie um bitter erkämpfte tarifliche Regelungen zu bringen. Zehntausende Arbeitsplätze stehen zu Disposition!" Im Kapitalismus ein klarer Fall: weniger Arbeit = weniger Arbeitsplätze und damit natürlich auch niedrigere Produktionskosten. Bei gleichen Preisen für das Automobil winkt da ein satter Gewinn.
Man könnte natürlich, wenn sich die Zeit für die Produktion eines Autos verkürzt, eine drastische Arbeitszeitverkürzung vornehmen, etwa auf 30 Std. pro Woche – und das fordern wir auch: 30-Stundenwoche bei vollem Lohn- und Personalausgleich! Im kapitalistischen Umfeld wird man dafür hart kämpfen müssen. Im Sozialismus wird eine solche Entscheidung von den Arbeitern und ihren betrieblichen Organisationen selbst gefällt werden, oder es wird entschieden, dass die frei werdenden Arbeitsstunden für andere Zwecke eingesetzt werden. Auf keinen Fall werden Arbeitskräfte entlassen. Oder, wie es in Untertürkheim geplant ist, die Batteriefertigung nur gegen Zugeständnisse dort anzusiedeln, also Lohnsenkung und schlechtere Arbeitsbedingungen für alle Kolleginnen und Kollegen, die dort arbeiten.
Wir sehen: Das kapitalistische Wirtschaftssystem kann weder die Umweltprobleme lösen, noch den Arbeitern und Angestellten in der Automobilindustrie eine Perspektive bieten. Es ist ein faules, korruptes System. Wir brauchen den Sozialismus! Nicht nur, um die Umwelt zu schützen und Arbeitsplätze zu retten – sondern vor allem, um uns, den Arbeitern, Angestellten, Bauern usw., das heißt allen arbeitenden Menschen eine Zukunftsperspektive zu geben.
S.N.

 

Arbeit-Zukunft
Herausgegeben von der Organisation für den Aufbau einer kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands
http://www.arbeit-zukunft.de
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