Weltjugendtag der katholischen Kirche: Professionelle Show in Köln!

Mittwoch, 31. August 2005

Mit einer äußerst professionellen Show in Form einer traditionellen römisch-katholischen Messe wurde der Abschluss des XX. Weltjugendtages auf dem „Marienfeld“ bei Köln durch Gastgeber Kardinal Meisner und seinen Chef, Papst Benedikt XVI (Joseph Ratzinger), begangen. Moderne, international gestaltete Musik wurde ddafür in Auftrag gegeben, Neues und Altes wurde ansprechend miteinander verbunden, ästhetisch durchaus anspruchsvoll. Man klotzte, man kleckert nicht. Das war professionell. Professionell war, wie man es verstand, unter dem modern schillernden Gewand eine reaktionäre Botschaft zu platzieren: Die katholische Kirche schafft es, hunderttausende Jugendlichen dazu zu bewegen, sich ihren obskuren, patriarchalischen, religiösen Machtansprüchen unterzuordnen, wenn sie es auch zulässt, eine solche Unterwürfigkeit mit sorgsam organisierter Fröhlichkeit und Friedlichkeit zu tarnen.

Bedeutsam ist, dass die katholische Kirche es schaffte, den freiheitsliebenden Gestus vieler Jugendlichen mit der Propaganda offen reaktionärer kirchlicher Kreise zusammenzuspannen, unter einem der rechtesten Vorkämpfer dieser Richtung, dem Kölner Joachim Kardinal Meisner! Beispielsweise war das so genannte „opus dei “ auf dem Weltjugendtag zugegen, eine rechte katholische Organisation, die direkt dem Papst untersteht und seinerzeit offen die blutige faschistische Franco-Diktatur in Spanien unterstützt hatte.

Unter der polierten Oberfläche brachte es Meisner fertig, Teilnehmer/innen aus anderen Religionen und nichtgläubige Menschen offen auszugrenzen. Dazu nutzte er die friedliche Atmosphäre der Massenversammlung. In einer solchen Stimmung kommt selten Protest auf! So ließ er ungerührt auf der Eröffnungsmesse bekannt geben, dass die Kommunion, das „Abendmahl“, dieses Zentralritual der Kirche, auch bei diesem freudigen Anlass nur den Angehörigen der katholischen Kirche zustünde, also nicht allen Teilnehmern!. Hier wird gespalten. Geschickt, geschickt!

Ratzinger forderte die Jugendlichen auf, sich „keinen privaten Christus“ zu stricken, sondern ausschließlich „den Christus der Bibel anzubeten“.

Es ist bemerkenswert, wie Ratzinger, Meisner und ihre „Glaubensmanager“ den Spagat beherrschen: In der öffentlichen Medienpropaganda ein freies, offenes, fröhliches und friedensgesättigtes Fest anzukündigen, darüber aber das Motto zu setzen: „Wir sind gekommen um anzubeten“.

Anbeten - eine Haltung der Unterwürfigkeit. Peinlich ist für jeden frei und materialistisch Denkenden die Unterwürfigkeit, mit der die Moderatoren vor Ort wie in den Medien Joseph Ratzinger behandelten und dies somit zum Vorbild für die anwesenden Jugendlichen und alle anderen Anwesenden und Medienzuschauer/-zuhörer machten. Und es ist erschreckend, wie der Einzug des Papstes auf dem „Papsthügel“ des „Marienfeldes“ durch Kardinal Meisner in Form einer Anbetung gefeiert wurde: „Danke, heiliger Vater, dass du gekommen bist“. Und zum Abschluss: „Wir beten für den heiligen Vater!“ Ratzinger ließ es sich huldvoll gefallen! Mit dem aufklärerischen Motto: „Beuge dein Haupt nie vor einem lebenden Menschen!“ können solche Leute nichts anfangen!

In der Schlusspredigt, die Ratzinger abwechselnd in verschiedenen Sprachen hielt, widmete er sich genau diesem Stichwort „Anbetung“, zum Zweiten aber dem „Abendmahl“, der „Kommunion“, diesem atavistischen Ritual, in dem laut Ratzinger „Jesus uns seinen Leib als Brot“ gegeben habe. Dem Gläubigen wird also nahe gelegt wird, ein kleines Stückchen gebackenen Mehlteigs zu essen und dabei zu denken, dass sei „der Leib“ von Jesus. Welch merkwürdige Erinnerung an den seit tausenden von Jahren gesellschaftlich überwundenen Kanibalismus in einem offiziellen Ritual einer Weltreligion!? Mich diesem Ritual genau im Sinne der katholischen Kirche zu unterwerfen, erfordert es, von allem kritischen, aufklärerischen und wissenschaftlichen Verstand Abstand zu nehmen.

Alle Kritik an diesem Ritual ließ Ratzinger in Köln an seiner Kirche öffentlich abperlen:

Sowohl die der Protestanten, die das „Abendmahl“ als symbolisches Gastmahl, als Form der Brüderlichkeit unter Christen verstanden wissen wollen, deshalb beides,„Brot und Wein“ reichen und von einer „Wandlung“ von Brot in Fleisch geschweige denn des Weins in das Blut Jesu(!!) nichts wissen wollen, als auch die der Nichtgläubigen und Atheisten, die den obskuren und atavistischen Charakter dieses Rituals im Sinne der Überwindung rückständiger Weltanschauungen kritisieren.

Ratzinger forderte die Anwesenden schließlich auf, sich unter der Anleitung der Bischöfe („Haltet Verbindung mit den Bischöfen!“) in „Glaubensgruppen“ zu organisieren, damit es sich nicht um „Privatglauben“ handele. Hier wird offensiv, wenn auch unter gegebener Zurückhaltung getarnt, versucht, den alten Einfluss der Kirche zurück zu gewinnen.

Sich fröhlich unterordnen, Jesus, Gott, Maria (!!), den Papst, die Bischöfe und die „heilige Kirche“ anbeten, alle Kritik arrogant übergehen! - hier wird unter dem Deckmantel des „fröhlichen“ Festes, beharrlich , wo nötig auch behutsam, an einer solchen Haltung für die Jugend gearbeitet.

Wer hat den Nutzen davon? Oder in der Sprache der Kirche gesprochen, dem Latein: Cui bono? Die alte kritische Frage! Den Herrschenden dieser kapitalistisch – imperialistisch - reaktionären Gesellschaft, den Besitzern all des Kapitals, des Bodens, der Banken, denen die menschliche Arbeit ausbeuten, die Millionen verarmen lassen  -  ihnen nützt es ganz gewiss! Entschlossener Kampf um die Klasseninteressen der lohnarbeitenden, ausgebeuteten, im Elend lebenden Massen ist da nicht vorgesehen. Im Gegenteil: Er wird von der Kirche verurteilt, mal verdeckt, meist aber ganz offen! Das kommt auch durch Ratzingers Verhalten in Köln zum Ausdruck. Den Massen auf den Shows rief er ein entlarvendendes „Seid bereit zu teilen!“ zu. Die Vertreter des Herrschenden dagegen, z. B. Schröder oder Merkel, empfing er tags zuvor hinter verschlossenen Türen in Privataudienz.

Der amerikanische Kommunikationsforscher Peter Shawn schreibt in seinem Standartwerk „About Showbiz“:

„Eine gelungene und professionelle Show braucht die Aufsehen erregende Aktion, den auffahrenden Gestus, den nicht alltäglichen Rahmen. Aber das genügt nicht. Sie muss tiefere Bewusstseinschichten anrühren, sie muss widersprüchliche Gefühle anrühren. Diese darf sie nicht aufrühren , sondern nur kitzeln, ohne zu sehr zu verunsichern. Sie muss beim Publikum das Gefühl einer Befriedigung zurücklassen, es dabei stärken und für den Tag danach motivieren“.

Viele von uns fragen sich: Wie lange soll die Religion, das Opium des Volkes, das Opium fürs Volk, Bestand haben gegen die wissenschaftliche Kritik, gegen wissenschaftliche Dialektik und Materialismus? Die Antwort darauf müssen wir geben.

Es handelt sich um eine große, um eine gewaltige Aufgabe. Packen wir sie an: Gemeinsam, aber auch optimistisch: Denn eine gelungene, eine professionelle Show zu konstatieren, heißt die untergründige Schwäche des mächtig erscheinenden Gegners zu  erkennen. In Wahrheit ist die katholische Kirche von inneren Widersprüchen geschüttelt, von Doppelmoral und Unehrlichkeit. Gerade deshalb muss sie auf den Gefühlsrausch, das Abschalten des Verstandes setzen. Und das heißt: Es gibt gute Chancen für die wissenschaftlich-materialistische Kritik.

ft

Arbeit-Zukunft
Herausgegeben von der Organisation für den Aufbau einer kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands
http://www.arbeit-zukunft.de
Weltjugendtag der katholischen Kirche: Professionelle Show in Köln!
Dieser Artikel wurde 2478 mal angesehen.