Monopolisierung auf dem Gesundheitsmarkt

Samstag, 9. September 2006

Bei Kurkliniken ist es schon lange üblich: große Konzerne haben große Klinikketten aufgebaut. Sie dominieren den Markt für Kuren. Kleine Kliniken kämpfen ums Überleben, suchen Nischen in denen sie existieren können. Viele der kleinen Kliniken verschwinden vom Markt oder werden von den großen Ketten aufgekauft.

Derselbe Prozess findet derzeit bei Krankenhäusern stark. Große Investorengruppen wie Rhön-Klinikum, Sana, Helios oder Asklepius kaufen kommunale Krankenhäuser auf und machen daraus Profit bringende Unternehmen. Die Rhön AG zum Beispiel steigerte 2005 ihren Umsatz um 35,5% auf 1,4 Milliarden €. Dabei erzielte sie einen Gewinn von 88, 3 Millionen €.

Mittlerweile sind rund 1/4 der deutschen Krankenhäuser in der Hand solcher privater Konzerne. 1995 waren es erst 16%.

Natürlich geht das zu Lasten der Patienten. Während in öffentlichen Kliniken die Personalkosten etwa 70% der Gesamtkosten ausmachen, sind es bei den privaten Kliniken nur 57%. Es wird also beim Personal und bei der Betreuung der Patienten dramatisch gespart. Wie anders soll auch ein Profit gemacht werden? Es geht nur durch die verschärfte Ausbeutung der Beschäftigten und die Verschlechterung der Leistungen.

Gesundheit wird hier dem kapitalistischen Markt unterworfen. Und wie immer wirken die kapitalistischen Marktgesetze auf alle Beteiligten. Auch die öffentlichen Kliniken werden durch die zunehmende Konkurrenz gezwungen, sich nach den Gesetzen des Marktes zu verhalten. So hat z. B. die Stadt Nürnberg aus ihrem städtischen Krankenhaus einen kommunalen Konzern geschaffen, der mittlerweile 5500 Mitarbeiter beschäftigt und jährlich 87.000 Kranke behandelt. Dieser Konzern arbeitet Gewinn bringend. Dies ging wie bei den Privaten nur über Einsparungen beim Personal und beim Service. So wurden zum Beispiel die Wäscherei, die Gebäudereinigung, die Näherei, der Empfang und die Küche ausgegliedert und in eine so genannte Klinikum Nürnberg Service Gesellschaft überführt. Dort erhielten die Beschäftigten neue Tarifverträge analog zur Privatwirtschaft mit drastisch niedrigeren Löhnen. Doch das reicht nicht. Denn der Markt zwingt zu immer neuen Kürzungen und Rationalisierungen. So gibt es Planungen, die Verweildauer der Patienten weiter zu kürzen oder die Patientenzahl pro Angestellten zu erhöhen.

Die Bundesärztekammer warnt davor, dass durch den Druck des Marktes das Behandlungsspektrum nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten eingeengt würde. So würden sich Krankenhäuser auf Krankheitsbilder spezialisieren, mit denen man leicht und schnell Profit machen könne, während langwierige und teure Krankheiten aus dem Behandlungsangebot gestrichen würden. Die Aktionäre der börsennotierten Kliniken wollen ja Geld sehen und die öffentlichen Krankenhäuser müssen mithalten.

Doch der Trend zu großen Konzernen und weiteren Zusammenschlüssen wird weitergehen. Nach einer Studie von McKinsey arbeiten rund 1/3 der deutschen Krankenhäuser nicht kostendeckend. Viele von ihnen werden in den letzten Jahren verschwinden und mit ihnen tausende Klinikbetten.

Was im Kur- und Klinikbereich bereits läuft, beginnt nun auch bei Apotheken. Mit der Zulassung der ersten Doc Martens-Apotheke im Saarland ist ein Anfang gemacht. Nach Europarecht, das über dem deutschen Recht steht, sollen nun große Apothekenketten durch finanzstarke Investoren aufgebaut werden. Im Bereich der Optiker und Drogerien ist dieser Prozess schon vor Jahrzehnten abgelaufen. Das Ergebnis: heute gibt es in diesen Märkten nur noch einige wenige große Konzerne, die den Markt beherrschen.

Auch bei den Arztpraxen laufen Planungen in diese Richtung. Im Protest gegen die Gesundheitsreform verlangen leider selbst Ärzteverbände mehr Privatisierung und höhere finanzielle Belastungen für die Patienten. Sie werden damit langfristig den selbstständigen Arztpraxen das Grab schaufeln. Denn das Kapital freut sich über solche Forderungen nach mehr Privatisierung. Schon jetzt stehen große Konzerne bereit, um Ärztehäuser und große Praxenketten aufzubauen. Dann werden viele kleine Arztpraxen schließen müssen. Die Versorgung für die Patienten, vor allem wenn sie nicht in Großstädten wohnen, wird damit schlechter. Bereits jetzt gibt es in Ostdeutschland große Gebiete, in denen es keine oder keine ausreichende ärztliche Versorgung gibt, weil diese sich in ländlichen Gebieten kaum noch lohnt.

Alle Veränderungen der letzten Jahre im Gesundheitswesen hatten ein Ziel: die Konkurrenz sollte erhöht werden, es sollte mehr Marktwirtschaft im Gesundheitswesen geben. Marktwirtschaft aber bedeutet, dass nur noch in solchen Bereichen investiert wird, Bob Profit, Höchstprofit zu erwarten ist. Die Interessen von Patienten, ihre Gesundheit spielt nur insofern eine Rolle, als sich damit auseingesetzt im Geld mehr Geld machen lässt, also Profit. Auch die Beschäftigten im Gesundheitswesen sind dann nur noch eine Ware Arbeitskraft, die nur dann beschäftigt wird, wenn sie dem Kapitalgeber Profit bringt.

Auch die nun geplante Gesundheitsreform dient dem Ziel, das Gesundheitswesen durch mehr Konkurrenz und Profitorientierung stärker für das Kapital zu öffnen. Für die Patienten und die Beschäftigten im Gesundheitswesen bedeutet dies nichts Gutes. Deshalb müssen sie sich gemeinsam wehren. Gemeinsam müssen sie für ein Gesundheitswesen eintreten,

dass nicht dem Kapital und seinen Profit Interessen dient.

dass sich allein an den Interessen der Patienten und der Beschäftigten orientiert.

dass eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung für alle garantiert.

ernst

(nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 2.9.2006, Seite 34)

Arbeit-Zukunft
Herausgegeben von der Organisation für den Aufbau einer kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands
http://www.arbeit-zukunft.de
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