Mobilfunk-Veranstaltung in Kempten

Mittwoch, 22. November 2006

Am 24. Oktober fand in den Räumen der „Aktiven Schule Allgäu“ ein Infoabend der Mobilfunk-Initiative Kempten-West statt. Der Veranstaltungsraum war ziemlich groß, eine Art Aula, und trotzdem war er bis auf den letzten Platz besetzt. Es wurden sogar noch Stühle herein getragen. Die Annahme, gegen die inflationäre Errichtung von Sendemasten werde nur auf dem flachen Land gekämpft, ist also falsch.

Hintergrund für die Gründung der Mobilfunk-Initiative Kempten-West: Vor einigen Monaten wurde auf dem Gebäude der Sparkasse Allgäu in der Lindauer Straße, mitten in einem Wohngebiet, eine Sendeanlage von T-mobile errichtet, die noch nicht in Betrieb ist. Bald bildete sich eine Bürgerinitiative und die Anwohner wehrten sich mit Briefen, Unterschriftslisten und einer Kundgebung vor dem Sparkassengebäude. Die Sparkasse Allgäu hat inzwischen kalte Füße bekommen – wohl auch, weil sie das Abspringen von Kunden befürchtet - und will wieder aus dem Vertrag mit T-mobile heraus.

Redner auf der Veranstaltung waren zwei Mitbegründer der Mobilfunk-Initiative und ein Arzt, der in Kempten und Umgebung eine Ärzteinitiative gegründet hat. Interessant war, dass einer der Initiatoren erzählte, er hätte vor einem Jahr noch ein neues UMTS-Handy gekauft und sei ganz begeistert von der Technik gewesen. Als aber gegenüber seiner Wohnung plötzlich ein Mobilfunkmast stand, hätte er sich näher mit den Risiken der Technik befasst und das hätte ihn jetzt dazu gebracht, gegen den Masten zu kämpfen. Er sei auch heute nicht grundsätzlich gegen Mobilfunk, sondern eben nur gegen diese gesundheitsgefährdende Technik, die heute eingesetzt werde.

Dazu möchte ich einige Bemerkungen machen: Sicher ist es so, dass in den Reihen der Mobilfunk-Gegner Menschen sind, quasi „Fundamentalisten“, die in der Mobilfunktechnik generell Teufelszeug sehen. Das geht soweit, dass manche behaupten, die Mikrowellenstrahlen würden absichtlich dazu benutzt, die Menschen zu bestrahlen, um ihre Gehirne zu manipulieren. Das ist natürlich weit hergeholt.

Wir Kommunisten müssen das Thema Mobilfunk im Kontext der gesellschaftlichen Realität, im Kontext der Herrschaft kapitalistischer Monopole über Gesellschaft und Staat sehen. Es ist da auch kein Zufall, dass gerade einige der größten Wirtschaftsmonopole, Siemens und die deutsche Telekom, aus dieser Technik Profite ziehen. Die Möglichkeit, schnurlos telefonieren, e-mails schreiben etc. zu können ist ja an sich nichts Schlechtes, hat tatsächlich etwas technisch Faszinierendes an sich – und nicht umsonst begeistert sich gerade die Jugend dafür. Andererseits gibt es hunderte, vielleicht sogar tausende wissenschaftlicher Studien, welche die Gesundheitsschädlichkeit gepulster Mikrowellenstrahlungen nachweisen. Und hier kommt nun das Spezifische, das sozusagen Kriminelle der kapitalistischen Profiwirtschaft zum Tragen. Anstatt diese Erkenntnisse ernst zu nehmen und nach Alternativen zu suchen, wird stur weitergemacht, werden tatsächlich in krimineller Weise Erkenntnisse unterdrückt, Kritiker lächerlich gemacht, werden ohne Rücksicht Mobilfunknetze weiter ausgebaut und Handys massiv beworben. Man sagt nicht umsonst: Profit geht über Leichen. Der Staat hilft kräftig mit, in dem er die Grenzwerte für Mobilfunkstrahlung hoch hält, Mittel für eigene Untersuchungen zurückhält und die Errichtung von Mobilfunksendern weitgehend genehmigungsfrei lässt.

Es lassen sich hier gut Parallelen zur so genannten „friedlichen Nutzung der Kernenergie“ ziehen. Zuerst wurden diejenigen, die vor den Gefahren für Gesundheit und Leben warnten und gegen den Bau der AKWs demonstrierten, als Spinner und Chaoten abgetan. Das „Restrisiko“ für einen GAU, so hieß es, läge bei weniger als eins zu einer Million. Als aber dann der Beinahe-GAU in Harrisburg (USA) und der GAU in Tschernobyl passierten, sah die Menschheit die Gefahr und die vielen Toten und Verstrahlten.

Bei der Mobilfunktechnik sind die Gesundheitsschäden noch schwieriger nachzuweisen, weil sie unter anderem noch vielfältiger sein können und erst im Laufe der Zeit auftreten. Trotzdem gibt es auch schon jetzt Studien, die Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen, die in der Nähe von Mobilfunksendern leben, nachweisen (z.B. die Naila-Studie).

Der Kampf gegen Mobilfunksender ist ein wichtiger Teil des Kampfes der Menschen gegen kapitalistische Umweltzerstörung und Gesundheitsgefährdung. Deshalb unterstützen wir ihn nach Kräften.                 

S.N.

Arbeit-Zukunft
Herausgegeben von der Organisation für den Aufbau einer kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands
http://www.arbeit-zukunft.de
Mobilfunk-Veranstaltung in Kempten
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