Das Zeltlager und die Arbeiterbewegung


Arbeiterjugend nimmt an einer Demonstration teil; Foto wikipedia

Es ist wieder Sommer, und nach einem Winter in Isolation treibt es die Jugend wieder auf die Straßen und an die Strände. Sommer-Camps bzw. Zeltlager für Arbeiterkinder und Jugendliche bieten die Möglichkeit, kostengünstig mit anderen Jugendlichen einen Teil der Ferien oder des Urlaubs zu verbringen. Dem Alltag der lauten und verdreckten Stadt zu entfliehen und die Betätigung bei Sonnenschein und frischer Luft zu suchen. Dies birgt einen enormen gesundheitlichen Vorteil. Gleichzeitig stehen sie in einer über hundert Jahre alten Tradition.

Das Zeltlager wurde Anfang letzten Jahrhunderts etabliert. Viele Organisationen der Arbeiterbewegung wie die Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ), Rote Hilfe, KPD führten Ferienlager für Arbeiterkinder und -jugendliche durch und prägten diese. Als Höhepunkt der Jahresarbeit der Kinder- und Jugendgruppen nehmen Zeltlager eine besondere Stellung in der Arbeiterbewegung ein. Sie bieten die Gelegenheit, einander besser kennenzulernen, den Zusammenhalt zu stärken und Fähigkeiten oder Wissen untereinander auszutauschen.

Um ein Lager oder „Camp“ auszurichten, bedarf es viel Arbeit und Koordination. Zum einen bedarf es einer Zeltlagerverwaltung, die alle Fragen um den Lageralltag behandelt und die den Kindern die Möglichkeit bietet, ihre Interessen und Bedürfnisse einzubringen und gemeinsam Entscheidungen über das Zeltlagerleben zu treffen. Sie lernen aktiv und angewandt die Grundlagen der politischen Ziele und Verhaltensweisen im Sozialismus.

Bei Zeltlagern, die mit Jugendgruppen aus anderen Ländern abgehalten werden, können sich die Teilnehmenden in den internationalen Kampf der Arbeiterbewegung einordnen und sich ein Bild internationaler Solidarität zeichnen – gelebte Völkerverständigung!

Der Kapitalismus zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass ein Arbeiter für die verrichtete Lohnarbeit keinen Bezug zu seinem geschaffenen Produkt haben muss. Der Nutzen oder Gebrauch, der aus ihm gezogen werden kann, ist gleichgültig, man ist gänzlich entfremdet von der eigenen Tätigkeit und führt sie einzig und allein für den Lohn aus.

Im Zeltlager findet man andere, durch und durch konkrete Arbeit wieder. Ob man nun gemeinsam ein Zelt errichtet, das Abendessen zubereitet oder ein Feuer macht, die Tätigkeit birgt einen Ertrag, der einen direkten Nutzen für die Gemeinschaft hat. Es gibt kein Lohnverhältnis, in das sich die Kinder und Jugendlichen begeben müssen. Dass sie nicht gänzlich entfällt, ist hierbei ebenfalls ausschlaggebend, denn nur so kann ein Raum für Eigenverantwortung und Emanzipation geschaffen, das Bewusstsein für kollektive und notwendige Arbeit gestärkt werden.

In Zeiten der wachsenden Isolation, die nicht nur durch die Corona-Pandemie, sondern auch durch die zunehmende Individualisierung im fortgeschrittenen Kapitalismus, hervorgerufen wird, gewinnen Aktivitäten wie das Zeltlager an Bedeutung. Sie bringen uns zusammen und schaffen die Perspektive für eine neue Gesellschaft, frei von Isolation und Einsamkeit, frei von Feindschaft und Ausbeutung.