DVD-Besprechung: „Der Reichseinsatz – Zwangsarbeiter in Deutschland“

Eine Dokumentation von Wolfgang Bergmann,
Laufzeit: 2 x 60 Minuten
Dieser Film ist erhältlich bei:
http://www.absolutmedien.de

Obwohl dieser Film aus dem Jahr 1993 stammt, ist er immer noch aktuell. Es ist
gut, dass es ihn seit April 2005 auf DVD gibt, und er damit breiterem Publikum
zugänglich ist. 8 Millionen Zwangsarbeiter gab es in der Nazizeit in
Deutschland. Das waren 30% der arbeitenden Bevölkerung. Dieser Film
dokumentiert das Ausmaß und das Grauen der Zwangsarbeit. Er rückte damit das
zuvor fast völlig verschwiegene Thema ins öffentliche Bewusstsein.

Für den Film wurde Archivmaterial aus 10 Ländern
zusammengetragen. Filmausschnitte, Fotos, Dokumente geben ein bedrückendes Bild
der faschistischen Sklavenarbeit. Zeitzeugen aus 8 europäischen Ländern
berichten im Film über ihre Erfahrungen als Zwangsarbeiter in Deutschland.
Dabei wird deutlich, dass diese für jeden sichtbar war, dass man sie nicht
übersehen konnte. Die Ausrede „Wir haben von nichts gewusst!“ wird entlarvt.

So sehr der Film die Brutalität des Faschismus zeigt, so
fehlt ihm jede ernsthafte Kritik an den Hintermännern und Profiteuren dieses
Millionenprojektes. Nur zwischen den Zeilen kommt heraus, dass das Kapital an
den 8 Millionen Zwangsarbeitern verdient hat. Hier fehlen aber Zahlen und klare
Worte. Bei 8 Millionen rechtlosen, billigen Sklaven muss das Kapital Mrd.
Reichsmark Extraprofite – über das Maß der normalen Profite hinaus – gemacht
haben. So löblich es ist, wenn die faschistischen Verbrechen dokumentiert und
angeprangert werden, so bedauerlich ist es, dass das kapitalistische System
geschont wird. Tatsächlich haben führende Vertreter des Kapitals wie Ferdinand
Porsche und andere massiv auf einen Einsatz von Zwangsarbeitern gedrängt und
zwar nicht nur allein aus dem Grund, weil durch den Krieg Arbeitskräfte
fehlten, sondern auch weil es sich bei den Zwangsarbeitern um allerbilligste
Ware Arbeitskraft handelte. Aufgrund des ständigen massenhaften Nachschubs aus
den eroberten Gebieten konnte man diese Arbeitskräfte sogar unter dem
Existenzminimum halten und verhungern bzw. sich zu Tode schuften lassen. Man
bekam ja immer wieder „frisches Menschenmaterial“. Der Faschismus zeigte in der
offensten und brutalsten Form das wahre Wesen des Kapitalismus: hier ist der
Mensch nur eine Ware Arbeitskraft und nur solange etwas Wert, wie diese Ware
Profit bringt.

Gefördert wurde der Film von der Filmstiftung NRW, der
Filmförderung Hamburg und der hessischen Filmförderung

Trotz dieser Mängel ist der Film mit seiner sehr guten
Dokumentation sehenswert und kann vor allem in der Jugendarbeit sehr gut
eingesetzt werden.

Im Kinoverleih bei: Freunde der
deutschen Kinemathek

Karl Winter | Potsdamer Straße 2 | 10785 Berlin
Telefon:++49+30 26 95 51 50 | Fax:++49+30 26 95 51 11

Die DVD wird z.B. bei amazon.de ab 12.88 Euro angeboten und
kann dort auch ausgeliehen werden. ISBN 3-89848-049-6