Die zerstörerischen Wirkungen des Erdbebens hängen mit der großen Armut zusammen, die durch die Jahrhunderte der kolonialen und neokolonialen Politik hervorgerufen wurden, die diese von den Mächten, welche die Welt und insbesondere dieses Volk beherrschen, aufgedrückt bekamen. Dies rief so große Notsituationen hervor, dass der Staat selbst nicht in der Lage ist, einer so großen Natur- und sozialen Katastrophe zu begegnen.
Dieses Beben wird die Notlage, die das haitianische Brudervolk heimsucht, noch verstärken. Deshalb muss die Solidarität mit den Opfern mit Weitsicht, die über den Notfall und die Emotion, die von der aktuellen Lage erzeugt wird, hinausgeht, angelegt sein und in einen strukturellen strategischen Plan eingebettet sein.
Haiti ist das ärmste Land des Kontinents; deswegen fordern wir die Annullierung seiner externen und internen Schulden; dass alle Gelder, welche die militärische Besetzung verschlingt, dass die historische Schuld von mehreren Millionen, welche die Großmächte gegenüber dem Volk haben, bezahlt werden und für die Solidarität und den Wiederaufbau der Infrastruktur verwendet wird.
Man muss die Tatsache des offensichtlichen Scheiterns der MINUSTAH (Mission der Vereinten Nationen zur Stabilisierung in Haiti) anprangern, die in den letzten 5 Jahren nur dazu gedient hat, zig Millionen Dollar zu verschlingen, die Bevölkerung zu unterdrücken und die haitianische Souveränität einzuschränken. Die nordamerikanische Regierung ist dabei, die Militarisierung dieses Landes zu verstärken und nimmt das Erdbeben dafür zum Vorwand, während Rettungstrupps, Ärzte, Psychologen, Ingenieure, Spezialtrupps für diese Art von Katastrophen, für den Transport von Nahrung und Medikamenten dringend benötigt werden und nicht Waffen zur Einschüchterung der Bevölkerung.
Wir appellieren an die Mitgliedsländer der ALBA (bolivarische Allianz für Amerika, politischer und wirtschaftlicher Zusammenschluss der von linken Regimes regierten Länder), dass sie gemeinsam eine ständige Hilfe leisten, bis das Land aus dem Chaos entrinnt, in dem es mitten in der Armut dämmerte, in der es die imperialistischen Länder gehalten, sein Territorium verwüstet und seine Reichtümer und Einwohner ausgebeutet haben.
Wir fordern von der dominikanischen Regierung zur Aufrechterhaltung der Hilfe und Grenz-Erleichterungen auf, die notwendig sind, um Hilfe nach Haiti schicken zu können und für die Haitianer, die in unserem Land leben, damit sie mit ihren Familien in Kontakt treten und ungehindert ein- und ausreisen können.
Die linken Organisationen, die diesen Aufruf unterschreiben, beglückwünschen das dominikanische Volk für das große Mitgefühl und die Solidarität, die es bewiesen hat und wir fordern es auf, fortzufahren, in diesen schwierigen Augenblicken mit dem haitischen Volk solidarisch zu sein, bis es aufstehen und selbst voranschreiten kann.
Wir rufen auf, die „Volkskoordination der Solidarität“, die vom Centre Bono geleitet wird, zu stärken, weil sich dort die breiteste Teilnahme der verschiedenen sozialen Sektoren unseres Landes ausdrückt und weil dort die gemeinsame Arbeit für die Solidarität mit unseren haitianischen Brüdern und Schwestern weitergeht.
In diesem Geist unterstützen wir die Eröffnung der Versorgungszentren unter der Leitung von Institutionen, welche die größte Glaubwürdigkeit in der Gesellschaft genießen, in einer möglichst großen Zahl von Städten.
Wir schlagen vor, dass die Verteilung der Hilfen in Haiti durch die Volksorganisationen, der sozialen Institutionen wie Kirchen und anerkannten Nichtregierungs-Organisationen geschieht, um die größtmögliche Effektivität und Transparenz bei der Zuteilung dieser Hilfe zu garantieren.
Wir lehnen die Entsendung von dominikanischen Truppen im Rahmen der MINUSTAH kategorisch ab.
Wir fordern, dass die Solidarität mit dem haitianischen Volk seine Souveränität und Selbstbestimmung respektiert.
Wir richten unseren Appell an alle unsere Mitglieder, Freunde und Mitkämpfer, damit sie die Arbeit der Solidarität mit Haiti kämpferisch weiterführen und dass sie im Kopf behalten, dass die Solidaritätsarbeit langfristig, bis zum vollständigen Wiederaufbau, ausgerichtet werden muss.
Haitianer und Dominikaner, wir sind Brüder in guten wie in schlechten Zeiten, im Schmerz und in der Freude: seien wir solidarisch.
(Unterzeichnet von 17 linken, revolutionären dominikanischen Organisationen)
Übersetzung aus „La Forge“, Zeitung der Kommunistischen Arbeiterpartei Frankreichs, Februar 2010