Woher kommt das Kapital der Familie Quandt?

Durch eine kurzfristige Programmänderung „verirrte“ sich am
30. September ein 60-minütiger Film in das späte Abendprogramm der ARD: „Das
Schweigen der Quandts“. Der Film basiert auf einer fünf Jahre dauernden
Recherche der Autoren Eric Friedler und Barbara Siebert und erzählt die
Geschichte einer der reichsten und mächtigsten deutschen Industriellendynastien
und ihrer Verbrechen in der Nazizeit. Es wird vermutet, dass der NDR bewusst
auf eine Vorankündigung der Ausstrahlung verzichtet hat, um zu vermeiden, dass
die Anwälte der Familie Quant die Ausstrahlung durch eine einstweilige Verfügung
verhindern.

Am Donnerstag, den 22. November, wird ab 21.00 Uhr die
90-minütige Langfassung der Dokumentation auf NDR 3 zu sehen sein.

Die Autoren durchbrechen mit dieser Dokumentation eine Mauer
des Schweigens. Seit mehreren Generationen verbirgt eine Industriellen-Dynastie
sorgsam ihre Geschichte und die Herkunft von Teilen ihres Vermögens. Die
Familie äußert sich niemals öffentlich und die Archive ihrer Firmen sind für
Journalisten aber auch Historiker nicht offen. Für diese Dokumentation
recherchierten die Autoren vier Jahre lang in Archiven im In- und Ausland. Mit
Hilfe der exklusiven Dokumente, die sie im Laufe ihrer Spurensuche zusammentrugen,
gelingt es ihnen die wahre Herkunft des Familienvermögens offen zu legen. Der
fehlende Wille, sich der eigenen Schuld zu stellen, die „Selbstumwandlung“ der
Täter zu Opfern und die Versuche, sich einer Aufarbeitung zu entziehen – all
dies ist typisch für „Die Familie“ aber auch für andere Unternehmerfamilien.
Allerdings gibt es einen maßgeblichen Unterschied: Anders als anderen
Industriellen-Dynastien gelang es den Quandts bis heute, die Quellen ihres
Reichtums zu verschleiern und sich dem kritischen Blick der Öffentlichkeit zu
entziehen.

Ein Sprecher der Familie Quandt erklärte nach der Sendung,
der Film werde nun nach und nach von den Familienmitgliedern gesehen und
geprüft. Vorher sei noch kein abschließendes Urteil möglich. Im Film selbst kommt
nur Sven Quandt – Enkel von Firmengründer Günther Quandt und 1956 geboren – zu
Wort und bestreitet, mit dem Erbe auch Schuld übernommen zu haben.

„Quandt“ – dieser Name steht für VARTA und BMW,
für Ausbeutung, Zwangsarbeit und unermesslichem Reichtum. Die
VARTA-Akkumulatorenfabrik hatte ihr eigenes KZ. Nach der Befreiung vom
Hitlerfaschismus haben die Briten alle Unterlagen über die Verbrechen der Quandts
unter Verschluss genommen und somit verhindert das dieses Faschistenpack in
Nürnberg vor Gericht gestellt wurde. Grund: Die Royal Navy brauchte gute Batterien
für ihre U-Boote – die gab es nur bei VARTA.

 

kb

 

Veranstaltungshinweis:

Kommunistischer Klönschnack Kiel „Ende des Schweigens – Der
Quandt-Clan geriet in die Defensive“

Donnerstag, 6. Dezember 2007, 19.00 Uhr

Gaststätte Storchnest (Clubraum im 1. Stock), Kiel,
Gutenbergstraße 66 im Stinkviertel (Parkplätze gegenüber)