Kieler Woche: Militär testet neues „Terroristen Radar“

Heute, am 20. Juni, beginnt mit dem üblichen Spektakel die diesjährige Kieler Woche. Sie soll wie gewohnt die Verbindung von Spaß und Militär herstellen, um der Bevölkerung  die Präsenz des Militärs schmackhaft zu machen. Selbst das diesjährige Plakat stellt, um uns von seiner Friedlichkeit zu überzeugen, einen segelnden und trompetenden Marinesoldaten dar. In den Regeln für die Besucher/innen der Kieler Woche heißt es eindeutig: „Gefährliche Gegenstände wie Messer und Waffen gehören nicht auf die Kieler Woche!“ Dies ist wohl bei der Marine noch nicht angekommen, denn über 3000 Marinesoldaten sind mit ihren Waffen in Kiel eingetroffen. Über 30 Schiffseinheiten von wichtigen Militärnationen sind nach Kiel gekommen, die meisten davon aus den USA mit ihrer schwimmenden Kommandozentrale, der 6. US-Flotte „Mount Whitney“. Natürlich dürfen sich die Kieler von der Friedfertigkeit auch direkt mit einem Besuch an Bord überzeugen. Aber der Schein trügt: Die Einheiten kommen gerade vom 37. Seemanöver „US Baltops“, welches die Nato in der Ostsee durchgeführt hat, an dem Russland wegen der von den USA geplanten Raketenstationierungen in Polen nicht mehr teilnahm.

Am Donnerstag spielt in der Forstbaumschule das Marinemusikkorps Ostsee und will beweisen, dass es nicht nur Waffen bedienen kann. Am Sonntag danach macht die Big Band der Bundeswehr Swing & Pop in Uniform. Aber vielleicht sind es ja in Wirklichkeit alles nur Clowns. Die Deutsche Marine hat in diesem Jahr auch eine Überraschung dabei. Sie will die Kieler Woche mit der großen Zahl an teilnehmenden Sport- und Lustschiffen nutzen, um an ihnen ihr neues Radarsystem zum Auffinden von Terroristen auszutesten. Die neuen „asymmetrischen Bedrohungen“ durch „vereinzelte Terroristen“ seien es, wofür diese Technik gebraucht werde. Dies soll der Presseoffizier Christopher Jacobs laut TAZ gesagt haben: „Wir haben es verstärkt mit Gegnern zu tun, die man nicht mehr einschätzen kann.“ „Näherten sich mit Bomben bewaffnete Terroristen, etwa in Schlauchbooten oder mit Speedbooten, konnten diese bisher vom Schiff aus nicht geortet werden. Das neue Radarsystem könnte dieses Problem in Zukunft lösen“, so schreibt die TAZ. Da bietet sich doch die Kieler Woche zum Testen an. „Das System funktioniert genauso wie normale Schiffsradare, die ja täglich in der Kieler Förde eingesetzt werden“, sagte Jacobs. Deshalb sei die Frequenz für Anwohner und Besucher ungefährlich.

Die Kieler DIE LINKE protestierte bereits dagegen: „Das passt doch zum Charakter der Kieler Woche – das war doch schon immer eine Militärparade.“ Auch Lutz Oschmann von der DIE GRÜNEN sei unglücklich damit, das Ortungssystem gerade auf der Kieler Woche auszuprobieren. Ob die Radarstrahlen gefährlich sind, könne man aber nicht belegen. Das Luftüberwachungsradar (LÜR) kann bis zu 100 km weit und 10 km hoch orten und wurde vom Bremer Unternehmen Atlas Elektronik im Auftrag der Nato entwickelt. Doch die Besucher der Kieler Woche sollen sich nicht den Spaß verderben lassen, daher gibt es ausreichend Möglichkeiten sich zu vergnügen, und es heißt daher auch in den schon o. g. Regeln: „Getränke aller Art sind auf der Kieler Woche erhältlich. Deshalb ist das Mitbringen von Flaschen, Dosen und Ähnlichem nicht erwünscht.“ Soll das etwa bedeuten, dass man sich das Essen mitnehmen muss? Da kann der Redakteur beruhigen: Es gibt genügend saftige Leckereien, vom Eis bis zur Grillwurst, deren Preise ebenfalls sehr saftig sind.

Es geht auf der Kieler Woche nicht nur spaßig zu. Der Stand des Umweltamtes beschäftigt sich mit dem Thema Klimaschutz und Energieeffizienz. Dies ist in der Klimaschutzstadt Kiel besonders spannend, denn EON und MVV planen auf dem Ostufer ein neues profitträchtiges Kohlekraftwerk, während die Bevölkerung und die regierenden Kieler Parteien SPD und GRÜNE dies nicht wollen. Die Bürgerinitiative für eine umweltfreundliche Energieversorgung in der Region Kiel beteiligt sich am Stand und informiert über ein alternatives Energiekonzept.

Informieren durften bisher nur Sponsoren der Kieler Woche wie Debitel, Stadtwerke, BMW und HSH Nordbank. Politische Meinungsäußerungen sind verboten. Wir dürfen gespannt sein, ob sich daran etwas geändert hat. Politische Informationsveranstaltungen gibt es allerdings vom Institut für Meeresforschung (IFM)-GEOMAR, dem Institut für Weltwirtschaft (IFW) und der Universität, größtenteils rund um das Thema Klimawandel:

  • „Klimawandel – eine Herausforderung für die Wirtschaft“, 22. 6., 18 Uhr, IFM

  • „Medien- und Strafrecht – zur aktuellen Kriminalpolitik in Europa“, Di., 9.15 Uhr, Audimax, UNI

  • „Seerecht und Klimawandel“, 24. 6., 18 Uhr, IFM

  • „Abwanderung ins Ausland – Welche Arbeitsplätze sind bedroht“, 24. 6., 18 Uhr, IFW

  • „Technologietransfer – der Königsweg in der internationalen Klimapolitik“, 25. 6., 18 Uhr, IFW

  • „Ozean in Atemnot – bringt der globale Wandel unsere Meere aus dem Gleichgewicht“, 25. 6., 18 Uhr, IFM

  • „The Congo: Armed Conflikt in the Heart of Afrika“, 25. 6., 18.15 Uhr, Audimax, UNI

  • „Meeresbodenerwärmung – Klimawandel in der Tiefsee“, 26. 6., 18 Uhr, IFM

  • „Arbeiten fürs Wirtschaftswunder“, 27. 6., 12 Uhr, Kieler Schloss

Ein Highlight:
„Führung im Bunker mit Zeitzeugen zur  Deutschen und Kieler
Kriegsgeschichte“, 24. 6., 15 Uhr, und 28. 6., 11.30 Uhr,
Flandernbunker, Hindenburgufer

uws