TV Stud III: Studentische Kollegen Berlins kämpfen um höhere Löhne

Die studentischen Beschäftigten Berlins – Tutoren, Bibliotheksangestellte, etc. – haben 1986 bundesweit einmalig durch einen Streik den Tarifvertrag „TV Stud“ erkämpfen können. Doch seit 2001 ist dieser nicht mehr an die Inflation gekoppelt und die Stundenlöhne stagnieren seitdem bei mageren 10,98€. Nun sind verdi und GEW in Tarifverhandlungen um einen „TV Stud III“ getreten. Das miese Angebot der Hochschulen: 12,13€ ohne Lohnerhöhungen bis 2022! Das wollten sich die Kolleg/innen nicht bieten lassen und haben den Tarifvertrag gekündigt. Mit Basistreffen und viel Aktivismus in den sozialen Medien bereiten sie sich nun auf Streiks zum Anfang 2018 vor. Ihre berechtigte und sehr zurückhaltende Hauptforderung lautet: Dynamische Anpassung an die Lohnentwicklung anderer Hochschulbeschäftigter – sofortige Anhebung des Stundenlohns auf 14€. Unserer Meinung nach müsste sogar selbstverständlich gelten: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – weg mit der Spaltungen zwischen studentischen und sonstigen Uni-Mitarbeitern!

Dieser Kampf, wenn auch noch verhalten, ist vorbildhaft für andere Bundesländer und Universitäten, denn dort gibt es gar keine Tarifverträge. Die Kolleg/innen müssen andernorts oft zu Mindestlöhnen arbeiten. Grundsätzlich bekommt man nur befristete Verträge und muss alle paar Monate neu kämpfen. Wer sich schon einmal als studentische Hilfskraft verdingen musste, weiß was das bedeutet. Da der studentische Lohn durch das Bafög quasi subventioniert wird, können sich die Unis all das leisten. Die Industrie orientiert sich an den Uni-Löhnen, wenn sie Werkstudenten einstellt. Doch immer mehr Student/innen müssen für ihren Lebensunterhalt komplett selbst aufkommen. Gleichzeitig steigt die Inflation und vor allem Mieten in den Universitätsstädten, was alle betrifft. Die Folge ist, dass man keinen Fuß mehr ins Trockene bekommt. Viele mussten ihr Studium schon wegen der miesen Bezahlung abbrechen. Kämpfe sind in diesem Bereich schwierig, denn die Kollegen kommen und gehen. Kaum jemand mag in die Gewerkschaft eintreten, denn man redet sich ein, man arbeite ja „nur“ übergangsweise. Die Streiks von 1986 und die aktuellen Kämpfe der Berliner Kolleg/innen sind gerade deswegen wichtig. Sie zeigen, dass man sich auch als studentischer Angestellter, als prekärer Arbeiter, organisieren kann und durchaus Erfolge erzielen kann! Die Berliner Studenten rufen wir auf in die Gewerkschaften (verdi oder GEW) einzutreten um die Streiks zu ermöglichen und zu unterstützen! An dieser Stelle dokumentieren wir die Rede von TV-Stud-Aktivisten zur Erstsemester-Begrüßung an der Humboldt-Uni in Berlin:

Liebe Kommiliton*innen,

wir, die studentisch Beschäftigten, heißen euch herzlich willkommen! Wir werden euch nicht nur als Kommiliton*innen begegnen, sondern halten auch eure Tutorien, helfen euch in den Bibliotheken, der Verwaltung und vielen weiteren Bereichen. Wir sagen euch vorab: nicht alles an der Hochschule ist so schön wie es scheint. Zum Beispiel sind unsere Löhne seit 16 Jahren nicht mehr gestiegen! Die Preise steigen, die Mieten explodieren, doch unser Lohn bleibt der gleiche und reicht so nicht mehr für das tägliche Leben. Während die Löhne der anderen Hochschulbeschäftigten beständig – wenn auch nicht genug – steigen, stagnieren unsere. Dazu wurde uns in den vergangenen Jahren sogar noch das Weihnachtsgeld gestrichen.

Feste Stellen werden gestrichen und durch günstigere Hilfskraftstellen ersetzt, alles um immer mehr Geld zu sparen. Wir müssen dabei oft überfüllte Tutorien geben, manchmal sogar unbezahlt. Unsere Arbeitsbedingungen und die der anderen Beschäftigten sind eure Lernbedingungen! Nach monatelangen enttäuschenden Verhandlungen, mit sich verschlechternden Angeboten der Hochschulen, haben wir letztendlich beschlossen zu härteren Methoden zu greifen. Uns bleibt keine andere Wahl! Wir haben unseren Tarifvertrag gekündigt, damit wir ab Januar streiken können. Ohne uns läuft hier nichts und so werden die Hochschulen stillstehen, wenn sich die Hochschulverhandler*innen nicht endlich auf uns zu bewegen! Wenn also im Januar eure Tutorien ausfallen, weil die Hochschulen sich zu keinem akzeptablen Angebot durchringen konnten, bitten wir euch um eure Unterstützung und eure Solidarität. Vielleicht werdet auch ihr bald studentische Hilfskräfte sein und von unserem, womöglich gemeinsamen Kampf profitieren. Ihr seid herzlich eingeladen mitzumachen. Kommt am besten zur Streikgruppe eurer Universität. Die Termine sowie alle weiteren Infos findet ihr auf unserer Website und auf Facebook. Lasst uns gemeinsam die Hochschule mitgestalten, denn sie wird erst dann zu einem freien und gerechten Ort der Bildung, wenn die Interessen der Studierenden und Beschäftigten verwirklicht werden.

Wir wünschen euch einen guten Start ins Studium hoffen, euch bald wiederzusehen, um gemeinsam an einem Strang zu ziehen! Bildung darf nicht kaputtgespart werden! Für mehr Geld für Bildung, für mehr Mitbestimmung an den Hochschulen und für einen neuen Tarifvertrag der studentisch Beschäftigten!

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