Daimler: Angriffe auf die Belegschaft

Montag, 6. Februar 2017

Über die Zeitung erfuhren es die Kolleg/innen bei Daimler, was sie schon lange befürchtet hatten:

Am Samstag, dem 4.2.17, berichteten mehrere Zeitungen, dass Daimler einen massiven Stellenabbau plane. Ohne genaue Zahlen zu nennen, kündigte Daimler-Chef Zetsche an, dass mit dem Bau von Elektroautos zahlreiche Stellen überflüssig würden. Deshalb beginne man bereits jetzt damit, Stellen abzubauen, natürlich ohne Entlassungen.

Dadurch dass Zetsche keine konkreten Zahlen nennt, schürt er natürlich die Angst bei den Kolleg/innen. Er hofft wohl darauf, dass diese die Angst lähmt. Doch man muss kein Prophet sein, um zu schlussfolgern, dass der Abbau ähnliche Dimensionen wie bei VW annimmt, wo 30.000 Stellen gestrichen werden sollen.

 

Betriebsratsvorsitzender spielt den „besseren“ Kapitalisten

Bedauerlich ist, dass Michael Brecht, der Betriebsratsvorsitzende von Daimler sich öffentlich als der bessere Manager des Kapitals präsentiert. In einem Interview der Stuttgarter Zeitung vom 6.2.17 stellt er gar nicht in Frage, dass es zum Stellenabbau kommen muss. Er sagt: „Aber: Selbst wenn wir alles am Elektromotor selbst bauen und das Wachstum weiter anhalten würde, hätten wir am Ende wahrscheinlich doch weniger Beschäftigung.“

Er gibt damit zu, dass er schon länger weiß, dass es zu Stellenabbau kommt.

Seine Antwort darauf lautet einfach: Heiliger St. Florian verschon mein Haus, zünd's andere an. Er fordert nämlich, Teilfertigung von den Zulieferern in die Daimler-Werke zurückzuholen. Und das sagt er noch nicht einmal offen, sondern umschreibt es, man müsse über das „Thema Fertigungstiefe“ reden. Das bedeutet: Entlasst doch andere, dann sind wir ruhig. Er „regt an“, zu überlegen, ob man ein Werk in Polen, wo bereits viele Kolleg/innen arbeiten, wieder schließt. Auch hier sein „geniales“ Rezept: Entlasst doch andere, dann mucken wir nicht auf.

Dass der Vorstand nun aus Kostengründen mehr Fahrzeugkomponenten bei Zulieferern einkaufen möchte, um so den Profit zu erhöhen, sieht er betriebswirtschaftlich: „Niemand produziert so günstig und qualitativ so hochwertig wie wir selbst.“ Und wenn es doch woanders mit geringeren Löhnen und verschärfter Arbeitshetze billiger geht? Dann stehen solche Co-Manager hilflos da!

Verärgert ist er nur, dass er die Ankündigung des Stellenabbaus aus der Zeitung erfahren hat, während er noch verhandeln wollte.

 

Als Bittsteller auftreten oder kämpfen?

Für den Betriebsratsvorsitzenden, Michael Brecht, sind die Arbeiter und Angestellten bei Daimler Bittsteller, die beweisen müssen, dass sie billiger und besser arbeiten. Für den Konzernchef Zetsche sind sie Kostenfaktoren, die abgebaut werden müssen. Billiger werden die Autos von Daimler ja nicht, wenn weniger Arbeitszeit für ihre Herstellung notwendig ist. Also geht es um mehr Profit!

Dass all die Werte, um die es hier geht, von der Arbeiterklasse und vielen Angestellten geschaffen werden, taucht in den Überlegungen des Betriebsratsvorsitzenden nicht auf. Dass alle Räder still stehen, wenn die Arbeiter und Angestellten es wollen, ebenso nicht. Dass viele Arbeitsplätze verschwinden, weil die Produktivität ungeheuer steigt und ständig weiter steigt, wird mit keinem Wort erwähnt. Arbeitszeitverkürzung als Antwort auf den ungeheuren Fortschritt in der Produktion? So etwas sucht man vergeblich in den Überlegungen eines solchen Co-Managers. Es geht für ihn ja darum, billiger und besser zu sein als in Polen. Mehr Konkurrenz, mehr schuften, Kosten senken – das ist die Denkweise eines Co-Managers. Brecht sagt selbst: „Wir fahren gerade fast überall Sonderschichten, wir drücken an Autos raus, was nur geht.“ Da ist er aktiv beteiligt, dass die Kolleg/innen Knochenarbeit bis zum Umfallen leisten. Hat er schon mal was von Streik gehört? Gerade jetzt, wo es brummt, hat man noch Macht. Das kann sich schnell ändern.

 

Die Befreiung der Arbeiter muss das Werk der Arbeiter sein!

Betteln hilft nicht! Und Co-Manager heizen die Konkurrenz um Billiglohn, Mehrarbeit, stärkere Arbeitshetze an. Auf solche Leute kann man nicht bauen. Die Arbeiter und Angestellten müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Sie schaffen die Werte. Nur aus ihrer Arbeit wird der Profit gesaugt. Wie es aussieht, ist gerade in der Umbruchphase, wo Daimler konventionelle und Elektro-Autos parallel bauen muss, dringend Mehrarbeit nötig. Das gibt den Arbeitern und Angestellten ein Machtmittel in die Hand: Streik! Verweigerung von Überstunden und Mehrarbeit!

Wenn der Betriebsrat das nicht will, dann darf man solche Leute nicht mehr wählen. Was die Arbeiter und Angestellten bei Daimler jetzt brauchen sind Kämpfer und nicht Bittsteller und Buchhalter!

Aber was sie vor allem brauchen, ist eigener Kampfeswille. Denn Einzelkämpfer können nicht gewinnen. Nur gemeinsam sind wir stark! Ohne die Bereitschaft zum Kampf in der Belegschaft geht gar nichts. Ohne Armee kann man nicht siegen!

Es müssen jetzt klare Forderungen gestellt werden:

Kein Arbeitsplatzabbau!

Radikale Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich!

Kein Werk, egal wo es ist, darf geschlossen werden!

Solidarität und gemeinsamer Kampf machen stark!

Keine Überstunden und keine Mehrarbeit bis zur Erfüllung aller Forderungen!

Arbeit-Zukunft
Herausgegeben von der Organisation für den Aufbau einer kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands
http://www.arbeit-zukunft.de
Daimler: Angriffe auf die Belegschaft
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