Starke Proteste der Jugend!

Montag, 17. November 2008

Polizei verprügelt in Hannover Schülerinnen und Schüler

 

Ein großer Tag für die Jugendbewegung in Deutschland! In 40 deutschen Städten sind mehr als hunderttausend Schülerinnen und Schüler für ein besseres Bildungssystem während der Unterrichtszeit auf die Straße gegangen. Zu dem Schulstreik hatte das Bündnis „schulaction“ aufgerufen. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich bundesweit rund 125000 Jugendliche an den Protestaktionen. So demonstrierten etwa in Braunschweig, Bremen und Hannover jeweils rund 8500 Schüler, in Hamburg 6000. In Frankfurt am Main, Kassel und Gießen gingen insgesamt knapp 9000 Schüler auf die Straße, in Stuttgart, München und Kiel jeweils rund 5000!

Bemerkenswert ist auch, dass auch Eltern und Lehrer die Aktionen unterstützten. In Stuttgart sprach Bernd Riexinger, der Geschäftsführer von ver.di vor den 8000 Protestierenden. Auch die Lehrergewerkschaft des DGB, die GEW unterstützte vielfach die Proteste.

Mit Blick auf den Bildungsgipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel(CDU) im Oktober erklärte Niklas Wuchenauer von der Landesschülervertretung Berlin: „Die Politiker haben wieder einmal über die Köpfe von uns Betroffenen hinweg diskutiert.“ Nun müssten die Schüler ihre Probleme selbst in die Hand nehmen.

Allein in Berlin protestierten rund 10.000 Schüler gegen überfüllte Klassen. In Berliner Gymnasien sind laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Durchschnitt 28 Schüler in einer Klasse. An Realschulen sind es 27, an den Grundschulen durchschnittlich 24 Kinder pro Klasse. Die Schülerinnen und Schüler fordern

+ Klassengrößen von maximal 20 Schülern,

+ die Abschaffung des Notendrucks und mehr Geld für Lehrmittel sowie

+die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems!,

das sie für die soziale Spaltung mitverantwortlich machen.

Die Polizei sprach von rund 8000 Demonstranten. Tausend Schülerinnen und Schüler stürmten kurzzeitig die Berliner Humboldt-Universität und warfen Bücher und Toilettenpapier aus den Fenstern. Auch in Hamburg und in Hannover kam es zu spontanen Abweichungen vom geplanten Demonstrationsablauf.

Am Landtag in Hannover zeigten die Demonstrierenden, wie gut sie sich in der Stadt auskennen und umgingen einfach die Bannmeile, um der sichtlich verblüfften Polizei „in den Rücken zu fallen“. Daraufhin verprügelte die Polizei nach mehrmaliger Aufforderung, den Platz vor dem Landtag zu räumen, minderjährige Schülerinnen und Schüler mit Schlagstöcken!! Es gab mehrere Verletzte. Kurz danach wurden Hunderte von Schülerinnen und Schülern, darunter zehnjährige Kinder, zwei Stunden auf dem Opernplatz eingekesselt.

In Stuttgart wird derweil berichtet, dass die tobende Stuttgarter Kultusministerialbürokratie Strafen gegen beteiligte Schüler fordert: Verweise, Nachsitzen und ähnliches mehr. Wir fordern Solidarität mit den Betroffenen.

Beispiel Waiblingen bei Stuttgart: Nach zahlreichen Protesten von Eltern, Lehrer/innen und Schüler/innen hat Rektor Bethäuser, vom Salier-Gymnasium, Waiblingen, ein geplantes sechsstündiges Nachsitzen an einem Samstag wieder abgesagt.

Die Rücknahme ist ein großer Erfolg für die Schüler/innen die am Streik teilgenommen haben. Sie hatten gestern angekündigt, die Nachsitzzeit am Samstag kreativ für ein gemeinsames Frühstück und eine Diskussion darüber wie der Schülerprotest weitergehen kann, zu verwenden. Zuvor hatten Schülervertreter aus anderen Orten sowie Gewerkschaftsvertreter per Mail und Telefon bei der Schulleitung gegen die Sanktionen protestiert.

Schließlich erfolgte dann die Bekanntmachung des Rektorats: Wegen zahlreicher Proteste fällt das Nachsitzen am Samstag aus!”. Dieser Erfolg ist eine Ermutigung für die kommenden Proteste im Bildungsbereich, nicht nur in Waiblingen.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Meinhardt, begrüßte die Proteste. Natürlich hoffen diese Kapitalideologen, die Proteste für ihre „neoliberalen“ Ideen wie z.B. die Privatisierung des Bildungswesens instrumentalisieren zu können, davor können wir nur warnen,

Auch die Linke im Bundestag unterstützt den Protest. Es müsse für die Schüler „wie ein Schlag ins Gesicht wirken“, wenn Bund und Länder mehrere hundert Milliarden Euro für die Rettung der Banken habe, für kleinere Klassen, mehr Lehrer und den kostenlosen Zugang zu Bildung jedoch kein Geld da sei, erklärte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Nele Hirsch.

Die Zeitung Arbeit-Zukunft solidarisiert sich mit den Protesten und wünscht, auch für die weiteren Aktionen und Schritte vollen Erfolg!!

Es kann gar nicht hoch genug bewertet werden, dass nicht nur für die unbedingt notwendige Verbesserung des Schulalltags, gegen die kleinlich-reaktionäre, alltägliche Kaputtsparpolitik gestreikt wird, die am liebsten die Schulen in profitorientierte Privatunternehmen verwandeln würde, sondern auch für eine Einheitliche Schule für alle, für die Förderung aller Kinder und Jugendlichen gleich welcher sozialen Herkunft, und gegen das stinkend reaktionäre dreigliedrige deutsche Klassenschulsystem sozialer Diskriminierung und Unterdrückung!

 

Quellen :

Artikel von Edith Bartelmus-Scholich (Internetzeitung SCHARF-LINKS)

http://www.schulaction.org

 

ft

Arbeit-Zukunft
Herausgegeben von der Organisation für den Aufbau einer kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands
http://www.arbeit-zukunft.de
Starke Proteste der Jugend!
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